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Newsletter Nr.11/2002 zum Thema

Beratung und Hilfestellung

Sehr geehrte Newsletter - Abonnenten,

im Folgenden erhalten Sie Informationen zu aktuellen Ereignissen rund um das Thema Beratung und Hilfestellung. Wir hoffen, Ihnen neue Erkenntnisse und Anregungen zu vermitteln.
Viel Vergnügen beim Lesen, wünscht Ihnen die Geschäftsstelle von Equal-Ostbayern.

 

  1. Suchtambulanz: Viertel der Klienten ist jünger als 24 Jahre
  2. Aufgrund fehlender Präventionsinitiativen in der Region nahm die Zahl der Klienten der Drogen- und Suchtberatung neue Rekordwerte an (mehr)

  3. Eine Rüge für deutsche Sozialpolitik
  4. Der VdK Deggendorf weist auf bevorstehende Probleme für Ältere, Alleinstehende und Kranke durch die geplanten Reformen des Gesundheits- und Sozialsystems hin (mehr)

  5. Fluthilfe, die ankommt: Klingenbrunner verteilten 6000-Euro-Spende an drei Familien
  6. Ein solidarisches Werk an Kirchweih für Opfer der Hochwasserkatastrophe um Passau zeigt die Hilfsbereitschaft der Bewohner von Klingenbrunn bei Grafenau (mehr)

  7. Heute: Erster Erfahrungsaustausch für die Eltern von autistischen Kindern
  8. In Passau gründet sich eine Austauschplattform für Eltern autistischer Kinder. Mittels geeigneter Kooperation von Schulen und Betreuungseinrichtungen kann das Leben von Autisten deutlich vereinfacht und angenehmer gestaltet werden (mehr)

  9. Wie dicke Kinder abnehmen können
  10. Ein Vortrag an der vhs Regen behandelt ein modernes Problem vieler Kinder und Eltern (mehr)

  11. Gesund essen und trinken mit Kasimir
  12. Ein sprechender Hase und Ernährungsberaterinnen des Landratsamtes Pfarrkirchen erzählen Kindern von guter Ernährung und beraten Eltern in der Ernährungserziehung ihrer Kinder (mehr)

  13. Infarkt: Wer sich geliebt fühlt, lebt gesünder
  14. Auf einer internationalen Fachtagung der Psychokardiologie stellt das Krankenhaus Simbach eine erfolgreiche Methode der Infarktprävention und -nachbetreuung vor, die psychologische Betreuung und physische Herzbehandlung verbindet (mehr)

  15. Sozialstation öffnet ihre Türen
  16. In der Caritas-Sozialstation Simbach bieten zahlreiche Beratungsstellen ihre Dienste an (mehr)

  17. BAD-Zentrum feiert Einweihung
  18. Der Berufsgenossenschaftliche Arbeitsmedizinische Dienst eröffnet in Deggendorf eine neue Zweigstelle (mehr)

  19. Info: Ehrenamtliche Betreuung
  20. Richtlinien für die Übernahme einer Betreuungsfunktion von geistig, seelisch oder körperlich behinderten Menschen (mehr)

  21. KJR steigert Teilnehmerzahlen um beachtliche 300 Prozent
  22. Mit Hilfe zahlreicher Betreuer und einem vielfältigen Freizeitprogramm bietet der Kreisjugendring trotz steigender Jugendarmut den Jugendlichen sinnvolle Alternativen (mehr)

  23. Verdienstmedaille für eine Vorzeigebetreuerin
  24. Osterhofenerin erhält Verdienstmedaille der Bayerischen Justiz für ehrenamtliche Betreuungstätigkeit (mehr)

  25. Rundum-Betreuung für Diabetiker in Freyung
  26. Diabetiker-Selbsthilfegruppe und Krankenhausteam gibt Schulungen und Vorträge über den Umgang mit der Zuckerkrankheit - daneben Vorbeugung vor dem "diabetischen Fuß" (mehr)

  27. Sozialhilfe gibt es erst nach Besuch beim Arbeitsamt
  28. Durch engere Zusammenarbeit beider Behörden soll das schnelle Abrutschen in die Sozialhilfe verhindert, die Arbeitsvermittlung optimiert und das Ausnutzen der Sozialhilfe erschwert werden (mehr)

  29. Leukämie: Kindern neue Hoffnung geben
  30. Durch groß angelegte Typisierungsaktion in Pfarrkirchen sollen mögliche Spender von Stammzellen für leukämiekranke Kinder gefunden werden (mehr)

  31. Asklepios plant regelmäßige "Schmerzkonferenzen"
  32. Mit interdisziplinärem Behandlungskonzept und Klinikkooperation zwischen dem Klinikum Deggendorf und der Asklepios-Klinik soll chronischen Schmerzpatienten besser geholfen werden (mehr)

  33. Einstiges Modellprojekt wird zum Erfolgskonzept
  34. Die Tagesgruppen des Altersheims Freyung haben sich in den vergangenen zehn Jahren bewährt und spielen eine wichtige Rolle in der Bewahrung der Würde und geistigen Beweglichkeit alter Menschen (mehr)

  35. Altersvorsorge: Information mangelhaft
  36. Steuersparmöglichkeiten mit Hilfe der betrieblichen Altersversorgung sind bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern oft nur unzureichend bekannt (mehr)

  37. Fürstenzeller Firma unter Betrugsverdacht
  38. Die Behindertenhilfe in Fürstenzell versuchte mit vorgetäuschten Angeboten aus der Behindertenwerkstatt Umsatz zu machen - es existierten weder die Produktion noch die Ware noch die Angestelltengehälter (mehr)

  39. Jede siebte Familie hat nur ein Elternteil: Mehr Plätze für Ganztagsbetreuung nötig
  40. Verband der Alleinerziehenden Väter und Mütter in Passau und Umland feiert zehnjähriges Bestehen und kann auf Erfolge und eine gelungene Etablierung in der Region zurückblicken (mehr)

  41. Fürstenzeller Tafel für Bedürftige
  42. Neben personellen Wechseln beim Fürstenzeller Frauenbund wird ein Programm für bedürftige Mitgleider der Gemeinde ins Leben gerufen (mehr)

  43. Spenden: Pockings Caritas hilft, wo immer sie kann
  44. Im Jahresrückblick kann die Pockinger Caritas auf breites Engagement für verschiedene hilfebedürftige Zielgruppen zurückblicken (mehr)

  45. Pflege zu Hause - dabei hilft das Altenheim
  46. Die Einrichtung St. Elisabeth in Griesbach bietet Tagespflege an, damit die Familie Zeit für sich oder dringende Besorgungen hat (mehr)

  47. Vortrag: Wenn das Herz aus dem Takt ist
  48. Im Rahmen der Deutschen Herzwochen gaben im Krankenhaus Rotthalmünster verschiedene Herzspezialisten Vorträge zu relevanten Themen wie Herzrhythmusstörungen und ähnliches (mehr)

  49. Schwangerenberatung jetzt auch übers Internet
  50. Die Schwangerenberatungsstelle Freyung-Grafenau bietet als eine der ersten in Bayern auf einer Interseite zahlreiche Informationen und Kontaktadressen für Schwangere, junge Familien und Alleinerziehende an (mehr)

  51. Drogensucht allgegenwärtig Experten informieren
  52. Ein Informationsabend in der Grundschule Edenstetten gibt Aufklärung im Umgang mit Suchtgefahren im Alltag (mehr)

  53. Alleinerziehende fordern mehr Ganztagesplätze
  54. Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Passau und Umgebung feiert sein zehnjähriges Bestehen und plädiert weiter für eine Besserstellung von Familien gegenüber Singles und Kinderlosen(mehr)

  55. Jugendarbeit: Plattling hat Vorreiterrolle
  56. Durch einen Jugendbeauftragten, rund 60 000 Euro für Jugendprojekte jährlich, zahlreiche Jugendtreffs und die Diskussion über ein Jugendparlament nimmt Plattling eine Vorbildrolle in der Region ein (mehr)

  57. Was geht ab?: Jugendliche feilen an sich selbst
  58. Das Kirchliche Jugendbüro organisierte bereits zum dritten Mal für die Schüler der 11.Klasse des Gymnasium Vilshofen einen Projekttag zu Themen wie Ruhe, Meditation, Drogen und Konflikte (mehr)

  59. Gesprächskreis hilft verzweifelten Eltern
  60.  In Eggenfelden versucht sich die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern", bestehend aus Eltern die ihre Kinder durch einen Unfall verloren haben, durch Gespräche selbst zu helfen und zu unterstützen (mehr)


Suchtambulanz: Viertel der Klienten ist jünger als 24 Jahre

Trauriger Rekord: 394 kamen im letzten Jahr zu Beratung - Der Frauenanteil wächst von Jahr zu Jahr

Deggendorf (mic). 394 Klienten - das ist ein trauriger Rekord. So viele Frauen und Männer wie noch nie haben im letzten Jahr in der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme Hilfe gesucht. Auffällig: Das Drogenproblem nimmt immer mehr zu. Der Sozialpädagoge Gerhard Perschl leitet die Ambulanz, die in der Bahnhofstraße 7 untergebracht ist. Seit Jahren wünscht er sich, dass die Sozialarbeit im Landkreis besser vernetzt wird. Schulen, Jugendberatung, präventive Anbieter und die Stadt müssen nach Perschls Überzeugung noch intensiver zusammenarbeiten. Der Sozialpädagoge weiß auch, warum das Drogenproblem immer größer wird. Knackpunkt ist die Prävention: "Die Hilfsmöglichkeiten, die jungen Menschen geboten werden können, nehmen nicht entsprechend zu."
So habe etwa die Stadt Deggendorf Bedarf an einem weiteren Kinder- und Jugendpsychiater: "Die Klienten kommen aus ganz Niederbayern hierher. Es gibt lange Wartezeiten. Es ist schwierig, zeitnah einen Termin zu bekommen." Das treffe unter anderem auch auf die Erziehungsberatungsstelle der Caritas zu.
Eine Koordinationsstelle für Suchtprävention, wie es sie etwa in München oder Nürnberg gibt, könnte nach Perschls Ansicht hier wertvolle Arbeit leisten. "Hier könnte die ganze Suchtarbeit im Landkreis koordiniert werden."
Die Zahlen im jetzt veröffentlichten Jahresbericht der Fachambulanz für 2001 sprechen eine deutliche Sprache. 394 Menschen suchten Rat und Hilfe; über ein Viertel davon war jünger als 24 Jahre. Immer mehr Frauen sind von Sucht betroffen (Alkohol, Essstörungen, Drogen, Medikamente). 162 der 394 Klienten waren weiblich.
Perschls Team hat im vergangenen Jahr zudem so viele Abhängige wie noch nie an Fachkliniken vermittelt: 32 Alkoholabhängige und 15 Drogenkonsumenten.
Die Fachambulanz gibt ihr Bestes. Perschl: "Wir wissen, dass zu uns nur ein Teil der Suchtkranken kommt. Auf diesem Gebiet gibt es keine Entwarnung. Die Suchtproblematik im Landkreis hat sich weiterhin auf einem hohen Zahlenniveau stabilisiert."

Aus: Deggendorfer Zeitung, 12.11.02

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Eine Rüge für deutsche Sozialpolitik

Wegen Änderungen im Sozialwesen: Deggendorfer VdK schreibt an Präsidenten

Deggendorf (ta). Der VdK Kreisverband Deggendorf ruft in einem Schreiben den VdK-Präsidenten Walter Hirrlinger dazu auf, sich kritisch zu den geplanten Änderungen der Sozial- und Rentenwesen zu äußern und alle Bundestagsabgeordneten in die soziale Pflicht zu nehmen.
Verständnis zeigt Kreisvorsitzender Georg Haberl für eine Halbierung des Sterbegelds. Die Ursache zur Übernahme dieser Leistungen habe auf der Situation nach dem Kriege beruht. Nicht hingenommen werden könne dagegen, dass bei Hilfsmitteln wie Krücken und Rollstühlen nur die billigsten verschrieben werden können. Diese sollten bedarfsgerecht verordnet werden.
Ein weiteres Problem: die Fallpauschalen, die spätestens bis zum Jahr 2004 flächendeckend in Deutschland eingeführt werden sollen. Im Prinzip sei es richtig, Krankenhausleistungen kostengerecht zu vergüten. Bei Krankenhausaufenthalten ohne Operation sei dieser Abrechnungsmodus nicht durchführbar. Der durchschnittliche Aufenthalt werde von momentan 8,9 Tagen auf 5,4 absinken. Diese Absenkung habe gravierende Folgen für Alleinstehende. Sie lägen hilflos zu Hause, weder die Krankenkassen noch die Pflegeversicherung seien für die Weiterversorgung zuständig.
Handlungsbedarf sieht Haberl auch bei der Versteuerung von Verkaufserlösen bei Immobilien. Häuser würden im Alter oft verkauft, um an ihrer Stelle eine altersgerechte Eigentumswohnung zu erwerben. Die geplante Versteuerung sei die gewollte Vernichtung von hart erworbenem Eigentum und Vermögen. Dies bedeute, dass viele alte Menschen wieder der Sozialhilfe zur Last fielen.

Aus: Osterhofener Zeitung, 12.11.02

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Fluthilfe, die ankommt: Klingenbrunner verteilten 6000-Euro-Spende an drei Familien

Übergabe mit Fest zur Orgelweihe verbunden - Beispielhaftes Gemeinschaftswerk - Geld bei Kirchweih gesammelt

von Ursula Langesee
Klingenbrunn. Die Klingenbrunner verstehen es zu feiern und gleichzeitig einem guten Zweck zu dienen: an Kirchweih Anfang Oktober brachten die rührigen Ortsvereine 6000 Euro zusammen. Beim Fest zur Orgelweihe am Sonntag wurde das Geld an drei Familien aus Obernzell, Hofkirchen und Aicha v. Wald verteilt, denen das Hochwasser im Juli und August zum Teil schwere Schäden zugefügt hat.
Schon früh mussten sich am Sonntag Lydia und Albert Luger aus Obernzell mit ihren beiden Buben, die Familie Margit und Günther Donaubauer mit Tochter Julia aus Hofkirchen und Ingrid und Konrad Huber aus Aicha v. Wald auf den Weg ins winterliche Klingenbrunn machen. Denn sie waren bereits zur Weihe der provisorischen, elektronischen Orgel durch Pfarrer Johann Pöppel in die Kirche eingeladen.
Bei der anschließenden weltlichen Feier war das Pfarrheim bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier zeigte sich wieder eindrucksvoll die Solidarität der Dorfvereine, die sie schon Anfang Oktober beim Kirchweihfest bewiesen haben: an diesem verregneten, nasskalten Sonntag waren 6000 Euro für Geschädigte der Flutkatastrophe zusammengekommen.
Warm und gemütlich war es im Pfarrheim und die fünfjährige Julia Donaubauer freute sich über den vielen Schnee, den sie zuhause in Hofkirchen in seiner weißen Pracht so selten sieht. Allerdings häufiger in seinem geschmolzenen Zustand.
Schon dreimal waren heuer die Felder und Wiesen ihrer Landwirtschaft an der Ohe überflutet. Im August hat es auch die Nebengebäude erwischt. Die Garage stand eineinhalb Meter unter Wasser, Erntevorräte wurden vernichtet. "Noch fünfzig Zentimeter höher, und das Wasser hätte unser Haus erreicht", erzählt Julias Mutter Margit. Sie kann sich beim Anblick des Schnees nicht freuen. "Bei der Schneeschmelze führt die Ohe immer sehr viel Wasser mit und die nächste Überschwemmung ist vorprogrammiert", spricht sie aus Erfahrung.
Was ein Platzregen anrichten kann, weiß die Familie Huber aus Aicha v. Wald seit Juli. Da stand der Keller einen Meter unter Wasser. Oberflächenwasser war durch die Kellerschächte gedrungen, hatte die Kellerfenster eingedrückt. "Um halb sechs Uhr früh haben wir ein Rauschen gehört. Dann ging alles sehr schnell. Das Wasser stieg immer weiter und wir mussten ohnmächtig zusehen", erinnert sich Ingrid Huber. Bis heute kann der Keller noch nicht genutzt werden.
Am schlimmsten hat es am 13. August die Familie Luger in Obernzell erwischt. Der an sich harmlose Eckerbach hinter dem Grundstück schwoll an und umtoste das einstöckige Haus. "Ich stand auf einmal bis zur Hüfte im Wasser und konnte mich aus eigener Kraft nicht mehr befreien", schildert Lydia Luger die tragische Situation. Ihre Buben (5 und 8 Jahre alt) waren zum großen Glück schon in Sicherheit: sie sind kurz vorher von der Oma abgeholt und nach Wegscheid gebracht worden. Das Ausmaß der Katastrophe: die Wohnung der Schwiegermutter im Parterre stand unter Wasser, ebenso die Holztreppe zur Wohnung der Familie im 1. Stock. Keller und Parterre mussten vollkommen saniert werden.
"Die Hilfsbereitschaft war enorm. Es war immer jemand da, wir bekamen Sachspenden, es wurde für uns gekocht oder Kuchen gebacken. Und ich glaube, dass wir durch das Hochwasser in Obernzell noch besser zusammengewachsen sind", sieht Lydia Luger die positive Seite der Flut.
Für die Solidarität der Klingenbrunner mit den Flutopfern dankte Bürgermeister Josef Luksch und wertete dies als Zeichen einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Er dankte dem Initiator der Spendenaktion, Günther Nama, und dem "Mann mit dem Koffer", Kurt Moser von der Sparkasse, der das Geld aufbewahrt hatte.
Bei der Verteilung der 6000 Euro erwähnte Dietrich Denker F. Veith vom Landratsamt Passau, die als Koordinatorin die drei Familien ausgesucht hätte. Mit Musik von Mitgliedern der Blaskapelle Ulrich und dem Liederkranz Klingenbrunn dauerte die Feier bis in die Mittagsstunden.

Aus: Grafenauer Anzeiger, 12.11.02

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Heute: Erster Erfahrungsaustausch für die Eltern von autistischen Kindern

von Theresia Wildfeuer

Passau. Matthias (12) spricht und spricht doch nicht. Mit seiner Mutter Christa Elender, seiner Schulbegleiterin und dem Rest der Familie kommuniziert er nur per Computer. Was der Bub schreibt, ist in einem wunderbaren Deutsch verfasst. Meist hält er sich in seinen selbstbewussten Antworten jedoch kurz, so als wäre es für ihn selbstverständlich, dass das Leben als Autist und mit einem Autisten in der Familie so ganz und gar anders ist.
Seine Mutter durchlebt täglich Wechselbäder der Gefühle. "Matthias hat sich plötzlich auf die Straße fallen lassen und einen Schreianfall bekommen. Wir mussten ihn über die Straße schleifen. Zum Glück kamen gerade keine Autos." Wenn Christa Elender mit Matthias einkaufen oder spazieren geht, muss sie sich auf die ungewöhnlichsten Dinge gefasst machen.
Ganz streng nach Plan muss der Morgen ablaufen, immer im selben Schema: "Bei Autisten ist es wie mit einem Computerprogramm", erläutert die Mutter. So wie es einprogrammiert wurde, laufe es ab. Auf ungewohnte Dinge reagiere Matthias mit Schreianfällen.
Matthias ist ein intelligenter Kerl. Er besucht zwei Schulen, das Wilhelm-Diess-Gymnasium in Pocking und die Schule zur individuellen Lebensbewältigung. Am Gymnasium nimmt er mit einer Unterrichtsbegleiterin an sieben Unterrichtsstunden pro Woche teil. Matthias kann nur Fächer besuchen, die vor der großen Pause stattfinden. "Nach drei Schulstunden ist er fix und fertig", betont die Mutter. An der Behinderten-Schule erhole er sich dann, macht dort nachmittags auch seine Hausaufgaben.
Matthias war sieben Jahre alt, da lautete die Diagnose: "geistig behindert". Er sei ein "überbraves" Baby und in der Entwicklung verzögert gewesen, erinnert sich Christa Elender. Er habe mit zwei Jahren zu sprechen begonnen, aber dann Rückschritte gemacht. Ein Dialog sei bis heute nicht möglich. Matthias rede in Stereotypen. Das bedrücke ihn bisweilen sehr.
Für die Diagnose Autismus habe sie alleine gekämpft, schildert Christa Elender. Die Fachleute hierzulande hätten angenommen, er sei kein Autist, "weil er Körperkontakt liebt". Doch schon in der schulvorbereitenden Einrichtung der Caritas in Pocking hätten die Erzieherinnen festgestellt, dass mehr in dem Buben stecke. Per Zufall verbrachte Familie Elender einen Urlaub in Lindau, im Haus einer Familie mit einem autistischen Kind. Die Eltern des Kindes hätten schnell festgestellt, dass Matthias ebenfalls autistisch sei.
Christa Elender besuchte ein Seminar über "Facilitated Communication". Sie fand eine Erzieherin, die mit Matthias diese gestützte Kommunikation anbahnte. Matthias lernte mit dieser Methode am PC das Schreiben. Von da an ging es mit ihm aufwärts. Er schrieb Briefe an Menschen über das, was ihm wichtig war und am Herzen lag. Die Behindertenschule stellte für Matthias einen Computer zur Verfügung. Zusätzlich konnte er stundenweise die dritte Klasse der Grundschule Ruhstorf besuchen. "Es war für ihn das Höchste", erzählt Christa Elender. Er habe ein halbes Jahr gelacht, weil er endlich etwas von sich preisgeben konnte. Nach der vierten Klasse absolvierte Matthias einen Test für die Aufnahme in das Gymnasium. Doch der ging daneben. Dies sei typisch für Autisten, sagt Christa Elender. Dennoch empfahl der Klassenlehrer, dass Matthias das Gymnasium besuchen sollte.
Matthias erfuhr sehr viel Hilfe und Entgegenkommen von Schulen und Betreuern. Um auch anderen autistischen Kindern und deren Eltern Hilfen zu bieten, formierte sich nach einer Autismustagung in Passau eine Elterngruppe. Ein erster Gesprächskreis für Eltern autistischer Kinder findet am heutigen Dienstag um 19 Uhr in den Räumen des Caritas-Frühförderungsdienstes in der Neuburger Straße 128 im "Europark" statt.

Aus: Passauer Neue Presse, 12.11.02

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Wie dicke Kinder abnehmen können

Geiersthal. Zu wenig Bewegung, zu viele Süßigkeiten: Viele Kinder sind zu dick. Das macht krank und schränkt die Lebensqualität ein. Doch nur mit Verboten ist dem Kinderspeck nicht beizukommen. Bei einem Vortrag an der Volkshochschule am Dienstag, 19. November, zeigt Simona Ulrich Möglichkeiten auf, wie das Gewicht des Kindes auf ein vernünftiges Maß gebracht werden kann, ohne Druck auszuüben. Anmeldung bei der Volkshochschule in Regen, erreichbar unter Telefon 09921/9500.

Aus: Viechtacher Bayerwald-Bote, 12.11.02

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Gesund essen und trinken mit Kasimir

Ernährungsberatung zeigt Ausstellung im Landwirtschaftsamt

Pfarrkirchen (red). "Wie sieht die richtige Ernährung für Kinder aus?" Diese Frage wollen die Ernährungsberaterinnen am Landratsamt, Maria Bachhuber, Inge Lugeder und Lidwina Kainz beantworten. Sie bieten dazu eine Wanderausstellung des aid (Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) an, die noch bis 29. November in der Aula des Landwirtschaftsamtes Pfarrkirchen zu sehen ist.
Bei der Eröffnung waren stellvertretender Landrat Richard Findl, Manuela Königbauer (Leiterin der Abteilung Gesundheits- und Veterinärwesen, Ernährung und Verbraucherschutz) und Dr. Johann Ammer (Sachgebietsleiter Gesundheitsamt, Ernährungsberatung) mit dabei.
Die Ausstellung befasst sich auf unterhaltsame Art mit dem Thema Kinderernährung und vermittelt Informationen durch unterschiedliche Medien. Sie soll sowohl Eltern, Lehrer/innen, Erzieher/innen, hauswirtschaftliches Personal und natürlich die Kinder selbst ansprechen.
Hauptfigur der Ausstellung ist "Kasimir", der sprechende Hase, der genau weiß, was gesund ist. Er begleitet die Kinder auf den acht Ausstellungstafeln und in dem PC-Spiel "Kasimirs Supermarkt-Rallye". Zusätzlich können die Kinder mit Hilfe von Greifkisten, Duft- und Hör-Memory sowie im Brotgeschmackstest ihre Sinne schulen. Bei der Brotmeditation werden die Kinder ganz still und konzentrieren sich voll und ganz auf das Brot.
Für Erwachsene finden sich Tipps und Anregungen zur Ernährungserziehung in der PC-Infothek, in der unter anderem zahlreiche leckere und gesunde Rezepte ausführlich erklärt werden. Auch häufig gestellte Fragen lassen sich durch die PC-Infothek beantworten: "Was tun, wenn mein Kind nur Pommes Frites will?", "Hilfe, mein Kind mag kein Gemüse!" oder "Ist mein Kind zu dick?" sind dabei nur einige wenige Beispiele aus dem Fragenkatalog.
Die ganz Kleinen können sich im "Be-Greif-Spiel" üben. Über das Greifen können Kinder hier "begreifen" und erhalten Informationen über die Herkunft von Lebensmitteln.
Die Ausstellung in der Aula des Landwirtschaftsamtes Pfarrkirchen, Lärchenweg 12, ist immer vormittags für den Besuch von Schulklassen geöffnet, für die jedoch eine Anmeldung unter Tel. 0 85 61/2 04 37 erforderlich ist. Zusätzlich steht die Ausstellung jeden Montag und Dienstag von 14 bis 16.30 Uhr für alle Interessenten offen. Der Eintritt ist kostenlos.

Aus: Passauer Neue Presse, 12.11.02

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Infarkt: Wer sich geliebt fühlt, lebt gesünder

Depressionen können mit Partner leichter bewältigt werden - Internationale Fachtagung zur "Psychokardiologie"

von Tanja Haslinger
Simbach. Nach einem Infarkt leidet nicht nur das Herz, sondern auch der Mensch. Ängste und Depressionen sind die Folgen. Bundesweit einmalig wird diese Form im Simbacher Krankenhaus behandelt. Die neue Methode "Psychosomatische Kardiologie" wurde an diesem Wochenende 40 Ärzten aus Bayern und Österreich in der Innstadt vorgestellt. Meistens trifft es einen mitten im Leben. Das Herz bleibt stehen - und plötzlich wird alles anders. Nach einem Infarkt findet man nur schwer in sein altes Leben zurück. Von Depressionen geplagt stürzen sich die Patienten von Behandlung zu Behandlung. Innerlicher Stress baut sich auf und kann sich wieder auf die Blutgefäße auswirken. Ein Teufelskreis - denn oft folgt ein erneuter Infarkt.
Eine neue Behandlungsmethode am Simbacher Krankenhaus soll dies verhindern: die "Psychosomatische Kardiologie" (wir berichteten). Im vergangenen halben Jahr wurde so 200 Patienten geholfen. Simbach hat damit eine Vorreiter-Rolle übernommen.
In Deutschland ist die Methode bislang einmalig, europaweit gibt es nur wenige ähnliche Behandlungen. Aus diesem Grund wurde an diesem Wochenende ein internationales Symposium in Simbach durchgeführt. 40 Allgemeinärzte, Internisten, Kardiologen und Psychotherapeuten aus Bayern und Österreich informierten sich im Rathaus über die "Psychosomatische Kardiologie".
Vorgestellt wurde die Behandlung von Chefarzt und Kardiologe Dr. Ziad Hatahet sowie seinem Kollegen, Oberarzt Dr. Klaus Wiegand, der die neue Abteilung leitet. Kardiologe und Psychotherapeut sollen eng und vor allem respektvoll zusammen arbeiten, erklärte Hatahet den Erfolg der Behandlung.
Auch Landrätin Bruni Mayer und Bürgermeister Richard Findl versprachen sich viel von der neuen Abteilung in Simbach. Das Krankenhaus sollte attraktiver werden, so die Landräting, deshalb habe man bewusst den Weg einer ganzheitlichen Gesundheitsmedizin gewählt. Man sei froh über die erzielten Erfolge. Findl freute sich besonders über die Teilnahme eines Referenten aus Österreich. Denn: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Bezug auf Krankenversorgung sei sehr wichtig.
Dr. Georg Titscher vom Hanusch-Krankenhaus Wien ging besonders auf die Bedeutung des Partners einer herzerkrankten Person ein. Seinen Untersuchungen nach wollen die Partner und Angehörigen in die Behandlung miteinbezogen werden. In der technischen Medizin werde diesem Bedürfnis oft keine Beachtung geschenkt, was fatale Folgen für die Genesung nach einem Krankenhaus-Aufenthalt habe. Verheiratete Frauen und Männer, die sich geliebt fühlen, werden weniger oft herzkrank.
Ist es trotz allem zu einem Infarkt gekommen, müsse man gegen drei Phasen arbeiten. Diese stellte der wissenschaftliche Begleiter des Simbacher Projekts, Privatdozent Dr. Karl-Heinz Ladwig, vor. Der Patient versuche, sich nach einem Infarkt an einen neuen Lebensstandard anzupassen, der jedoch begleitet wird von Angst, Verleugnung und Trauer. Dabei könne es zu einer krankhaften Verschlechterung der seelischen Verfassung kommen. Diese müsse dringend behandelt werden, ansonsten verschlechtere sich die Herzerkrankung.
Dr. Armin Imhof von der Uni-Klinik Ulm erklärte außerdem, dass seelische Belastungen die Herzgefäße negativ beeinflussen. Als Beispiel dafür gelte ein schweres Erdbeben in Los Angeles, von dem drei Millionen Menschen betroffen waren. Nach dem Beben nahmen die Herzinfarkte und -beschwerden stark zu.
Privatdozent Dr. Christoph Herrmann-Lingen von der Uni Göttingen betonte, dass der Arzt mit Hilfe von nur wenigen, ganz einfachen Fragen entscheiden könne, ob eine psychische Störung vorliege und eine weitere Behandlung nötig wäre. Dabei sei Bewegungstraining sinnvoll sowie Einzel- und Gruppengespräche, die individuell auf den Patienten zugeschnitten werden.
Über die Erfolge der neuen Behandlung berichtete Oberarzt Dr. Klaus Wiegand. "Nicht nur stationär, sondern auch ambulant werden mittlerweile immer mehr Infarkt-Patienten behandelt." Langsam würden auch Personen gezielt von Hausärzten für diese Methode eingewiesen. "Aber das steht erst noch am Anfang."
Große Freude herrschte bei Kardiologe Dr. Hatahet und Psychotherapeut Dr. Wiegand nach der Fachtagung. "Es war ein großer Erfolg. Einige Leitende Oberärzte haben uns beglückwünscht", erzählt Dr. Wiegand stolz.

Aus: Passauer Neue Presse, 12.11.02

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Sozialstation öffnet ihre Türen

Beratungsstellen wollen sich und ihre Dienste stärker präsentieren

Simbach (rs).  Die Caritas-Sozialstation Simbach ist in ihr altes zu Hause zurückgekehrt. Die Räume des Pfarrheims erstrahlen jetzt in neuem, hellen Glanz. Verknüpft mit der Station stehen auch die verschiedenen Beratungsdienste Hilfesuchenden zur Verfügung. Am kommenden Samstag, 16. November, ist die Bevölkerung von 14 bis 17 Uhr eingeladen, sich bei Kaffee und Kuchen über die Arbeit der Dienste zu informieren.
Die Sozialstation unter der Leitung von Irmgard Weißenbichler ist seit langem eine feste Größe im Pflegebereich. Für rund 100 Patienten zu Hause sind 14 Pflegefachkräfte, eine hauswirtschaftliche Kraft und derzeit drei Zivis im Einsatz - und das jeden Tag. Auch die Aus- und Weiterbildung pflegender Angehöriger, wie die freiwilligen "Helfer für Helfende" und die 24-Stunden-Bereitschaft des Hausnotrufs (Handynummer 0171/5584359), durch Anita Roßmanith gehört zum Aufgabengebiet der Sozialstation.
Dass es daneben auch mehrere Beratungsdienste gibt, ist zwar nicht allgemein bekannt, dafür aber den Menschen, die Hilfe benötigen. Da gibt es eine Schuldnerberatung mit Privat-Insolvenzberatungsstelle und eine Suchtberatungsstelle. Beide Dienste sind stark frequentiert, wie der Geschäftsführer des Kreiscaritasverbandes, Richard Unterhauser, versichert. Auch bei einer Erziehungsberatungsstelle und einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle können Menschen Hilfe erwarten. Alle Beratungsdienste werden von Fachkräften, das heißt von Psychologen oder Sozialpädagogen, geführt. Am Tag der offenen Tür sind neben der Sozialstation auch die Beratungsstellen besetzt.

Aus: Passauer Neue Presse, 12.11.02

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BAD-Zentrum feiert Einweihung

Tag der öffenen Tür im ITC vor 150 Gästen aus Wirtschaft und Politik

Deggendorf (she). Die zweite Einweihungsfeier im ITC innerhalb von zwei Wochen: Diesmal hatte der Leiter des Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienstes (BAD), Dr. Georg Meyer, eingeladen. Rund 150 Gäste konnten sich bei Orangensaft und Häppchen in den neuen Räumen in der Ulrichsberger Straße 17 umschauen.
Zuvor hatte der Leiter des BAD, Dr. Georg Meyer, die etwa 150 Gäste im Multimedia-Saal des ITC begrüßt. OB Anna Eder und Landrat Christian Bernreiter beglückwünschten den neuen Mieter im ITC zu seinem Erfolg. Bernreiter erinnerte daran, dass der Landkreis mit seinen drei Kliniken ein großer Kunde des BAD ist. Auch BAD-Geschäftsführer Prof. Dr. Bernd Siegemund war aus der Bonner Zentrale angereist. Er lobte die Zähigkeit und die Energie, mit der Meyer die Akkreditierung vorangetrieben hatte: "Wenn er gewusst hätte, was auf ihn zukommt, hätte er es vermutlich nicht gemacht." Das Deggendorfer Zentrum ist bundesweit das erste von etwa 170 BAD-Filialen, das neben der Arbeits- und Sicherheitsmedizin auch die Tests zur Fahreignung durchführen darf.
Nach 15 Jahren in der "Rittervilla" in der Bahnhofstraße waren dem arbeitsmedizinische Zentrum die Räumlichkeiten zu klein geworden. Im Sommer bezogen die Arbeitsmediziner ihr neues Domizil im ITC. Damit einher ging auch die endgültige Akkreditierung als Begutachtungsstelle für Fahreignung. Damit hat sich das Deggendorfer BAD-Zentrum ein zweites Standbein geschaffen. Die ersten Weichen dafür wurden 1995 gestellt. Damals begann das Team um den Tropenarzt und Arbeitsmediziner Dr. Georg Meyer Begutachtungen für Fahrgastbeförderungen bei Taxi- oder Busfahrern. Im August vorigen Jahres erteilte die Bundesanstalt für Straßenverkehrswesen die vorläufige Akkreditierung, um bei Verkehrsteilnehmern, die nach Alkohol- oder Drogengenuss am Steuer erwischt wurden, ein Gutachten zu erstellen. In der Deggendorfer Filiale sind inzwischen vier Ärzte, drei Psychologen, sieben Assistentinnen und drei Sicherheitsingenieure tätig. Der Diplom-Psychologe Gunther Bause ist Leiter der Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF)

Aus: Deggendorfer Zeitung, 13.11.02

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Info: Ehrenamtliche Betreuung

Eine Betreuung kann von einem Gericht angeordnet werden, wenn ein volljähriger Mensch wegen einer Krankheit, einer geistigen, seelischen oder körperlichen Behinderung seine Angelegenheiten nicht mehr alleine erledigen kann. Die Aufgabe des Betreuers ist es, sich um die rechtlichen Belange zu kümmern. Das Gericht entscheidet, in welchem Umfang die Betreuung notwendig ist. Mögliche Aufgabenbereiche eines Betreuers sind: Vermögensverwaltung, Renten- oder Wohnungsprobleme, Gesundheitsvorsorge oder Aufenthaltsbestimmungsrecht. Es können mehrere Betreuer für einzelne Aufgabenbereiche eingesetzt werden.
Grundsätzlich kann jeder Volljährige, der es sich zutraut, Betreuer werden. Er muss sich umfassend und sorgfältig um die Belange des Betroffenen kümmern können. Soweit möglich setzt das Gericht denjenigen zum Betreuer ein, den der Betroffene selbst vorschlägt. 

Aus: Deggendorfer Zeitung, 13.11.02

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KJR steigert Teilnehmerzahlen um beachtliche 300 Prozent

700 Kinder und Jugendliche nutzen Freizeitprogramm - Vollversammlung

Winzer (fr). Im Kreisjugendring (KJR) wurde 2002 viel geleistet. Eine beeindruckende Bilanz zogen Vorsitzender Bernd Sibler und Vorstandsmitglieder vor den Delegierten der Vollversammlung im Franziskus-Haus in Winzer. Hervorgehoben wurde die Steigerung der Teilnehmerzahlen bei den verschiedensten Veranstaltungen um 300 Prozent. Rund 700 Kinder und Jugendliche nutzten das umfangreiche Freizeitprogramm, das ihnen heuer von 30 ehrenamtlich tätigen Betreuern angeboten wurde. Für etwas Wirbel sorgte die Schließung der Jugendfreizeitstätte in Greising. Das Haus kann in der vorhandenen Form den Gästen nicht mehr zugemutet werden. Zu viele bauliche und technische Mängel haben die Vorstandschaft dazu bewegt, von einer Weiterführung der Einrichtung ab 1. September abzusehen. Trotzdem sei man guter Dinge, in Zusammenwirken mit dem Landkreis Deggendorf, wo Antrag auf Kostenübernahme gestellt wurde, die Finanzierung der Renovierungsarbeiten sicherstellen zu können, meinte Sibler.
Der Vorsitzende hob hervor, dass aufgrund der vielen Betreuer das Programm im kommenden Jahr noch vielfältiger gestreut werden könne. Gut bewährt habe sich die Herausgabe des Freizeitheftes, das für 2003 noch vor Weihnachten über die Schulen im Landkreis verteilt werde. Über Sponsoren habe der KJR einen Mercedes Sprinter finanziert. Zum Auftakt der Jahresaktivitäten konnte am Jugendzeltplatz in Schöllnach das neue Spielmobil präsentiert werden. Diese Anschaffung habe sich mehr als bewährt, sagte Sibler, der sich für die Unterstützung bedankte.
Verabschiedet wurde KJR-Kassier Josef Hartl. Ihm und Ehefrau Elisabeth dankte Sibler für die langjährige gute und konstruktive Zusammenarbeit.
Die Vorsitzende des Bezirksjugendrings, Claudia Schön, zeigte anhand der "Shell-Jugendstudie 2002" auf, wie sich die Situation bei den Jugendlichen und in der Jugendarbeit statistisch darstellt. Besorgnis erregend sei die zunehmend wachsende relative Armut von Kindern und Jugendlichen. Trotzdem blicke die heutige Generation optimistisch in die Zukunft. Als Schwerpunkte des Bezirksjugendrings nannte Schön die Medienarbeit, die Umsetzung des Beratungskonzepts für Kreis- und Stadtjugendringe, die Fortschreibung des gemeinsamen Jugendprogramms und die Arbeit der Schülermitverantwortung (SMV). Anhand einer Power-Point-Präsentation zeigte Bastian Dietz Eindrücke aus dem Aktionsprogramm, das von Zaubereien in Harry-Potter-Manier über ein Mittelalter-Zeltlager bis zu den verschiedensten Betreuer-Schulungen reichte.
Jugendpfleger Martin Hohenberger umriss die Planung für 2003, deren Schwerpunkte auf die Kinder- und Teenieferienfreizeit, Tagesfahrten, Jugendleiter-Qualifikation, das Spielmobil und Spieletage ausgerichtet sind. Das Spielmobil könne künftig nur noch mit Betreuungspersonal angemietet werden, teilte Hohenberger mit. Schon jetzt sollten die Buchungen über den KJR vorgenommen werden. Zum weiteren Rechnungsprüfer neben Pater Markus Haering wurde Florian Pronold bestellt. Über das Finanzgeschehen informierte Walter Aman mit der Vorlage des Haushaltsplanes 2003, der in den Einnahmen und Ausgaben mit je 332 027 Euro festgesetzt wurde.
Dass der KJR seit Jahrzehnten in engem Kontakt mit dem Landkreis partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeite und dabei eine sehr aktive und wirkungsvolle Interessengemeinschaft im Sinne der Jugendverbände leiste, bekräftigte Vizelandrat Peter Erl. Der Landkreis erkenne die schwierige Arbeit und sei froh, dass sich junge Menschen ehrenamtlich engagieren, um für die Jugend etwas zu tun. Die 2,352 Millionen Euro, die von 1987 bis einschließlich 2002 als finanzielle Leistungen des Landkreises an den KJR flossen, seien sehr gut angelegt. Als Signal in die verkehrte Richtung bezeichnete Erl die Etatkürzung der Staatsregierung für den Bayerischen Jugendring um 850 000 Euro. Unterstützung des Landkreises sicherte Erl zur Problembewältigung für das Jugendhaus in Greising zu.
Bürgermeister Jürgen Roith bezeichnete den KJR in seinem Grußwort als wichtige Einrichtung, der Unterstützung von allen Seiten verdiene.

Aus: Osterhofer Zeitung, 13.11.02

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Verdienstmedaille für eine Vorzeigebetreuerin

Viel Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit von Aloisia Wimmer-Baumgartner

Osterhofen (chr). Als erste Landkreisbürgerin wurde Aloisia Wimmer-Baumgartner aus Osterhofen von Justizminister Dr. Manfred Weiss mit der Verdienstmedaille der Bayerischen Justiz ausgezeichnet. Die 65-Jährige arbeitet seit fast zehn Jahren als ehrenamtliche Betreuerin. "Es ist ein Ganztagsjob", sagt Aloisia Wimmer-Baumgartner über ihre freiwillige Arbeit als ehrenamtliche Betreuerin. Für rund 20 Männer und Frauen ist sie derzeit als Betreuerin dafür verantwortlich, dass deren Angelegenheiten des täglichen Lebens geregelt werden. Sie organisiert Arztbesuche, kümmert sich um die Vermögensverwaltung, erledigt Schriftverkehr mit den Behörden oder besucht die Leute im Pflegeheim, um nach dem Rechten zu sehen.
Seit 1993 begleitet sie so psychisch und körperlich Kranke, geistig oder seelisch Behinderte auf ihrem Lebensweg. "Sie ist eine ehrenamtliche Betreuerin der ersten Stunde", sagte Landrat Christian Bernreiter gestern bei einer kleinen Feierstunde im Landratsamt. Die Bandbreite der Aufgaben, die sie als Betreuerin zu erledigen habe, sei immens.
Bernreiter gratulierte Aloisia Wimmer-Baumgartner zu der besonderen Auszeichnung der Verdienstmedaille und dankte ihr für die geleistete Arbeit.
Von Anfang an sei sie mit großem Engagement und Hingabe an ihre Arbeit herangetreten. Aloisia Wimmer-Baumgartner nannte er eine Vorzeigebetreuerin, die ihren Lebensmut und ihren Frohsinn an die zu Betreuenden weiter gebe. "Ich hoffe, sie werden uns noch lange zur Verfügung stehen", sagte Bernreiter. "Solange es die Gesundheit zulässt, können Sie weiter mit mir rechnen", antwortete Aloisia Wimmer-Baumgartner.
"Als die Anfrage vom Ministerium kam, ob wir einen Vorschlag für die Verleihung der Verdienstmedaille haben, da habe ich sofort an sie gedacht", wandte sich Amtsgerichtsdirektor Marcel Chase an Aloisia Wimmer-Baumgartner. Er schätze ihre Mitarbeit sehr. Chase bedankte sich auch für die Arbeit der Betreuungsstelle des Landratsamtes.
Durch eine Vorsorgevollmacht könnte eine Betreuung vermieden werden, erläuterte Marcel Chase. Man sollte frühzeitig festlegen, wer sich um seine Angelegenheiten kümmern soll, wenn man selbst nicht mehr in der Lage dazu ist.
Genaue Informationen über die Arbeit der ehrenamtlichen Betreuer und über Betreuung im Allgemeinen gibt es beim Betreuungsverein Deggendorf unter Tel. 0991/3830590 oder auf der Internetseite des Landkreises (www.landkreis-deggendorf.de) .

Aus: Osterhofer Zeitung, 13.11.02

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Rundum-Betreuung für Diabetiker in Freyung

Selbsthilfegruppe und Krankenhaus-Team organisieren Schulungen - Vorträge jetzt auch im Rathaus Schönberg

von Daniela v. Klitzing
Freyung. Für Diabetiker bietet Freyung eine zweigleisige Betreuung auf hohem Niveau: Die Diabetiker-Selbsthilfegruppe veranstaltet eine vielseitige Vortragsreihe, die wegen des großen Interesses jetzt teilweise auch in Schönberg stattfindet. Und das Krankenhaus Freyung organisiert mit einem eigenen Team Schulungen und betreut auch Patienten angrenzender Landkreise. Jeden zweiten Donnerstagabend im Monat treffen sich im Krankenhaus Freyung zwischen 20 und 60 Leute aus dem Landkreis, tauschen Erfahrungen aus und hören Vorträge, bei denen es in verschiedensten Variationen immer wieder um das selbe Thema geht: Diabetes.
Beim jüngsten Treffen kam - aktuell zum Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie in Würzburg - beispielsweise alles rund um den Fuß zur Sprache, wie die richtige Fußpflege oder geeignetes Schuhwerk. Da Diabetiker oftmals an Nervenstörungen in den Füßen leiden, hatte Referentin Ottilie Fritsch viele Ansichtsmaterialien und praktische Tipps parat, wie Diabetiker Verletzungen kontrollieren und pflegen können. Auch orthopädisches Schuhwerk wurde vorgestellt.
Ziel des Vortrags war, nach Möglichkeit alles zu tun, um dem gefürchteten "diabetischen Fuß" vorzubeugen. Grund sind alarmierende Zahlen: Über 30 000 Patienten müssen sich bundesweit im Jahr einer Beinamputation unterziehen.
Ottilie Fritsch, Gründerin und Vorsitzende der Selbsthilfegruppe, weiß wovon sie spricht: Bei ihr wurde im Alter von neun Jahren Diabetes festgestellt. Seit nunmehr 33 Jahren hat sie nicht nur gelernt mit der Krankheit zu leben, sondern auch anderen Diabetikern bei der Alltagsbewältigung zu helfen.
Spätestens seit sie ihre Ausbildung zur Diabetes-Assistentin DDG gemacht hat, ist sie Ansprechpartnerin Nummer Eins für sämtliche Nöte und Fragen von Betroffenen und Angehörigen im Landkreis. "Den Anstoß zur Selbsthilfe gab mir eine sehr engagierte Ärztin aus München. Ihre Schulungen am Schwabinger Krankenhaus waren so überzeugend, dass ich so etwas auch für den Bayerischen Wald wollte", berichtet Ottilie Fritsch über die Anfänge der Gruppe.
"Daraufhin habe ich dann vor 16 Jahren, nach einem ersten Treffen in Passau, für den gesamten Landkreis in Freyung drei Selbsthilfegruppen gegründet. Die betroffenen Kinder und Jugendliche werden mittlerweile in der Kinderabteilung im Krankenhaus Passau versorgt. Dafür haben wir das Angebot für erwachsene Diabetiker erweitert."
Seit einigen Jahren hat die Selbsthilfegruppe ihren Treffpunkt im Krankenhaus eingerichtet. Es werden Referenten - auch Ärzte aus großen, städtischen Diabeteszentren - eingeladen, die zum Beispiel über neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit aufklären. Diätassistentinnen geben Tipps über die Aufstellung und Einhaltung der oft sehr komplizierten Speisepläne. Firmen stellen neue Hilfsmittel, wie beispielsweise Insulin-Pens oder Blutzuckermessgeräte, vor.
Ansonsten sind die Treffen für die Erkrankten wichtig, um mit anderen Patienten über ihre Erfahrungen mit der Krankheit und die Bewältigung des Alltags zu sprechen. "Das gegenseitige Verständnis und die Akzeptanz spielt eine ganz wichtige Rolle", hat Ottilie Fritsch beobachtet.
Die Informationsabende stießen auf so großes Interesse, dass vor kurzem eine kleine "Filiale" errichtet wurde: Einige der Vorträge, die in Freyung stattfinden, sind jetzt parallel im Rathaus Schönberg zu hören.
Bundesweit gibt es rund sechs Millionen Diabetiker, Tendenz steigend. Im Landkreis Freyung-Grafenau sind knapp 200 erwachsene Mitglieder in der Kartei der Diabetiker-Selbsthilfegruppe registriert. Diese Zahlen waren Anlass für das Krankenhaus Freyung, seit einigen Jahren gezielt Schulungen für Zuckerkranke anzubieten. Dem Schulungsteam gehören Oberarzt Dr. Josef Wegele und Dr. Gabriele Zwick aus der Inneren Abteilung, Schwester Margot sowie zwei Diätassistentinnen der Klinik an.
"Wir bieten zwei Schulungskonzepte an, ein Begleitendes zum stationären Aufenthalt und Wochenschulungen für ambulante und auswärtige Patienten", berichtet Oberarzt Dr. Josef Wegele. In beiden Schulungen werde den Patienten gezeigt, wie sie sich richtig ernähren und wie sie Bluthochdruck erkennen können.
Auch erfolge eine Anleitung zur Selbstkontrolle und zur Handhabung der Injektionstechniken. Neue Patienten werden exakt eingestellt, schildert der Oberarzt das Schulungsprogramm. "Mittlerweile hat sich unser Team einen Namen gemacht, so dass uns reihenweise Patienten aus angrenzenden Landkreisen zugewiesen werden."
Auch Ottilie Fritsch ist mit den Erfolgen des Projekts zufrieden: "Die Zusammenarbeit des Schulungsteams und unserer Selbsthilfegruppe ist optimal und ergänzt sich so gut, dass sich viele Patienten hier in Freyung mindestens so gut aufgehoben fühlen wie in einem der Diabeteszentren der Großstädte", erzählt Ottilie Fritsch.
Aber damit noch nicht genug: im Rahmen einiger Neuerungen im Krankenhaus plant Geschäftsführer Wolfgang Hamerlak auch die Errichtung eines Fußzentrums zur Behandlung diabetischer Füße.

Aus: Passauer Neue Presse, 13.11.02

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Sozialhilfe gibt es erst nach Besuch beim Arbeitsamt

Ab Montag: Engere Zusammenarbeit der Behörden

von Andreas Nigl
Wer ab Montag Sozialhilfe beantragen muss, dem wird vor der Bearbeitung seines Antrags ein Gang zum Arbeitsamt nicht erspart bleiben. Denn dann startet ein gemeinsames Pilotprojekt von Arbeitsamt und Sozialamt - letzteres richtet bei der Bundesbehörde eine Anlaufstelle ein, in der noch einmal alle Möglichkeiten der Arbeitsplatzsuche ausgeschöpft werden sollen. Erst wenn dies keinen Erfolg bringt, kann der Antrag auf Sozialhilfe gestellt werden.
Das Projekt verfolgt mehrere Ziele. Zum einen sollen Kosten reduziert werden. Findet der Klient schnell Arbeit, dann sparen sowohl Arbeits- als auch Sozialamt Ausgaben, so Eva-Maria Kelch, die stellvertretende Leiterin des Arbeitsamtes. Ausgaben, die anderweitig wieder in die Hilfe zur Arbeitsplatzsuche gesteckt werden können.
Zum anderen soll durch die konzentrierte Arbeitsplatzsuche der beiden Behörden das Abrutschen von Arbeitslosen in die Sozialhilfe verhindert werden. "Unsere Mitarbeiterin hat sowohl Einblick in den Stellencomputer des Arbeitsamtes als auch in die Unterlagen des Sozialamtes", so Sozialamtleiter Josef Loher. Und durch das Prinzip der kurzen Wege könne den Männern und Frauen eine schnelle und gute Rundumbetreuung beider Behörden geboten werden.
Die Regelung hat natürlich auch noch einen anderen Sinn. Schwarzen Schafen, die die Leistungen der Sozialhilfe ausnutzen wollen, soll ein Riegel vorgeschoben werden. Loher bringt es auf einen kurzen Nenner: "Wenn jemand auf dem Weg zwischen Sozial- und Arbeitsamt verschwindet, dann kann die Not des Antragstellers so groß nicht sein ".
Eva-Maria Kelch warnt aber davor, das neue Angebot nur unter diesem Gesichtspunkt zu sehen. So würden beispielsweise auch viele Selbständige, deren Firma pleite gegangen ist oder allein erziehende Mütter, die wieder zurück in den Beruf wollen, in den Bereich der Sozialhilfeempfänger fallen.
Erscheint jemand nicht bei der sozialen Anlaufstelle im Arbeitsamt oder lehnt die vorgeschlagenen Arbeiten ohne triftige Begründung ab, kann ihm die Sozialhilfe gekürzt werden. "Wir haben einige solcher Fälle, denen wir beispielsweise nur noch maximal 75 Prozent des zustehenden Betrages überweisen", erklärt Loher. Eine andere Möglichkeit sei die Ausgabe von zeitlich begrenzten Bezugsgutscheinen anstelle von Geldleistungen.
Laut Loher gibt es derzeit in der Stadt Passau 1538 Sozialhilfeempfänger, darunter rund 200 Rentner. Der Sozialamtschef rechnet wegen der angespannten konjunkturellen Lage mit weiter steigenden Zahlen.

Aus: Passauer Neue Presse, 13.11.02

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Leukämie: Kindern neue Hoffnung geben

Große Typisierungsaktion am 23. November in Pfarrkirchen - Infoabend am Donnerstag in der Stadthalle

Pfarrkirchen (red). Eltern und BRK bemühen sich im Landkreis gemeinsam, Kindern, die an Leukämie erkrankt sind, zu helfen (wir berichteten). Morgen, Donnerstag, findet dazu in der Stadthalle ein Infoabend statt. Leukämie, auch "Blutkrebs" genannt, reißt jedes Jahr rund 4000 Menschen aus ihrem gewohnten Leben, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Was dies für die Familien bedeutet, kann man kaum beschreiben. Plötzlich bestimmen neben der ständigen Angst um das Überleben endlose Klinikaufenthalte, schmerzhafte Untersuchungen, Chemotherapien und Cortisonbehandlungen mit schweren Nebenwirkungen sowie eine nahezu vollständige Isolation von der Außenwelt den Alltag.
Um weiterleben zu können, benötigen viele Patienten eine Stammzelltransplantation (früher Knochenmarktransplantation genannt). Dabei werden einem geeigneten Spender gesunde Stammzellen entnommen und dem Leukämiepatienten übertragen. Dafür müssen jedoch die Gewebemerkmale von Spender und Patient nahezu vollständig identisch sein. Deshalb ist es so schwierig, einen geeigneten Spender zu finden. Leider warten knapp 30 Prozent aller Leukämiepatienten noch immer vergeblich. Diese Chance kann durch jede neue Registrierung in der Knochenmarkspenderdatei verbessert werden.
Jeder gesunde Bürger zwischen 18 und 55 Jahren kann sich in die Datei aufnehmen lassen. Bei älteren Menschen regenerieren sich die Stammzellen nicht mehr so schnell. Nicht in Frage kommen auch Menschen, die z. B. Herz-Rhythmus-Störungen, Neurodermitis oder Multiple Sklerose haben, oder die regelmäßig starke Medikamente einnehmen müssen.
Wie angekündigt, findet am 23. November von 10 bis 16 Uhr im Rotkreuzhaus Pfarrkirchen eine Typisierungsaktion statt, für die Landrätin Bruni Mayer die Schirmherrschaft übernommen hat. Hier ist es möglich, sich eine Blutprobe entnehmen, sich "typisieren" zu lassen. Die im Labor festgestellten Gewebemerkmale werden im Zentralen Knochenmarkspenderregister (ZKRD) in Ulm gespeichert. Muss ein Leukämiepatient transplantiert werden, wird in dieser Datei nach identischen Blutdaten gesucht. Bestätigt sich in einer weiteren Untersuchung die Übereinstimmung, ist ein Lebensspender gefunden.
Kommt man als Spender in Frage, sind zwei bis drei Tage Krankenhausaufenthalt notwendig. Die benötigten Stammzellen werden im Knochenmark gebildet und kommen in allen größeren Knochen, etwa im Beckenknochen vor. Aus diesem werden dann unter Vollnarkose ca. fünf Prozent des Knochenmarks entnommen, was sich in zwei Wochen wieder nachbildet. Das Rückenmark ist, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, in keiner Weise betroffen.
Es gibt inzwischen auch das Verfahren der "peripheren Stammzellentnahme". Der Spender erhält hier über einige Tage einen körpereigenen Wachstumsstoff, der die Produktion von Stammzellen fördert, die dann direkt aus dem Blut entnommen werden. Ein Klinikaufenthalt ist hier nicht notwendig. Mögliche Nebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome. In beiden Fällen werden der Verdienstausfall und alle anderen Kosten des Spenders von der Krankenkasse des Patienten übernommen.
Das Schicksal der kleinen, seit einem Jahr an Leukämie erkrankten Melina (2 ¾ Jahre) aus Postmünster bewegt die Bürger bereits seit einiger Zeit. Daraus entwickelte sich die Elterninitiative, die nun in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz, insbesondere dem Kreisverband Rottal-Inn, zur großen Typisierungsaktion am 23. November aufruft. Um zu zeigen, dass der Fall der kleinen Melina leider kein Einzelschicksal ist, wurden in die Aktion folgende Kinder einbezogen: Georg (4 Jahre) aus Untergriesbach, Johannes (2 ¾ Jahre) aus Landshut, Bianca (3 ¾ Jahre) aus Ingolstadt und Florian (15 Jahre) aus Eichstätt. Natürlich unterstützt man durch eine Registrierung nicht nur diese, sondern auch alle anderen an Leukämie erkrankten Kinder und Erwachsenen, die jemals Stammzellen benötigen.
"Lassen Sie sich aufklären und helfen Sie mit". Unter diesem Motto ruft das Organisationsteam der Typisierungsaktion alle Bürger zur Unterstützung auf. Um die Entscheidung zu erleichtern, wird morgen, Donnerstag, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Pfarrkirchen eine Informationsveranstaltung angeboten. Dabei wird Dr. Werner Pfannes von der Aktion Knochenmarkspende Bayern e. V. ausführlich über Ablauf, Probleme und Risiken der Stammzellentnahme referieren. Außerdem werden eine Frau, die durch eine Stammzelltransplantation die Krankheit Leukämie besiegt hat, und eine Knochenmarkspenderin von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Die Organisatoren hoffen, durch diese Aufklärung unbegründete Zweifel aus dem Weg räumen zu können.
Eine Kooperation zwischen dem Blutspendedienst des BRK und der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) macht es künftig möglich, sich auch bei den Blutspendeterminen typisieren zu lassen.
Zum Aktionstag soll die Krankenversicherungskarte mitgebracht werden. Sie dient zur schnelleren Erfassung der Personalien. Weitere Informationen gibt es bei der AKB, Tel. 089/89 32 66 28 und im Internet unter www.knochenmarkspende.de.
Die Initiatoren weisen noch darauf hin, dass die Laborkosten für jede Blutprobe 50 Euro betragen, die ausschließlich aus Spendengeldern bezahlt werden müssen. Es besteht auch die Möglichkeit, seine eigene Untersuchung oder die eines anderen selbst zu bezahlen. Gespendet werden kann sowohl am Informationsabend als auch am Aktionstag (gegen Spendenquittung) oder durch Überweisung auf folgendes Spendenkonto der AKB: Konto 8 82 64 02, Bankleitzahl 70 02 05 00 bei der Bank für Sozialwirtschaft, München,
Stichwort "Hilfe für Melina".

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Asklepios plant regelmäßige "Schmerzkonferenzen"

Kooperation mit Klinikum Deggendorf - Fachübergreifende Behandlung dringend erforderlich

Schaufling (dz). In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Deggendorf plant die Asklepios Klinik sogenannte "Schmerzkonferenzen" zur Verbesserung der fachübergreifenden Therapie von Schmerzpatienten. Die Behandlung chronischer Schmerzen hat in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung erfahren. Aufgrund der enormen volkswirtschaftlichen Belastung ist die Behandlung von Schmerzpatienten zu einer der größten medizinischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen geworden, wobei die Therapie chronischer Rückenschmerz-Patienten eine besondere Stellung einnimmt.
Rund die Hälfte aller vorzeitig gestellten Rentenanträge werden mit Wirbelsäulen-Beschwerden begründet. 20 Prozent aller vorzeitig Berenteten und 30 Prozent aller medizinischen Rehabilitationsleistungen sind auf eine Diagnose an der Wirbelsäule zurückzuführen.
Der Arzt stößt bei der Behandlung aber häufig an die Grenzen seines Fachgebietes, so dass zu einer sinnvollen Therapie eine fachübergreifende Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Disziplinen - so auch Psychotherapeuten - oftmals zwingend erforderlich ist.
Zum interdisziplinären Symposium lud deshalb der Chefarzt der orthopädisch-traumatologischen Abteilung, Dr. Hartmut Bork, zahlreiche regionale aber auch überregionale Referenten ein. Prof. Raimund Casser aus Staffelstein stellte die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie zur Behandlung von Rückenschmerzen vor. Dr. Hein (Klinikum Deggendorf) erläuterte die Schmerzkatheterimplantation. Die spezielle medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzpatienten stellte einen weiteren Schwerpunkt des Symposiums dar. Ebenfalls wurde das Zusammenspiel von Schmerz, psychischer Belastung und sozialen Faktoren aufgezeigt.
Die orthopädisch-traumatologische Abteilung der Asklepios Klinik führt seit zwei Jahren ein solches interdisziplinäres Behandlungskonzept im stationären Rahmen durch. Wissenschaftliche Untersuchungen, die derzeit an der Klinik in Kooperation mit der Universität in Regensburg durchgeführt werden, zeigen den Erfolg dieses Vorgehens deutlich.
Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen klinisch tätigen und niedergelassenen Ärzten zu verbessern, planen Dr. Bork und der Chefarzt der Neurochirurgie des Klinikums Deggendorf in regelmäßigen Abständen sogenannte Schmerzkonferenzen durchzuführen. Daran können sich auch niedergelassene Kollegen aus dem Raum Deggendorf und Regen beteiligen. Für Ärzte, die die Ausbildung zur speziellen Schmerztherapie anstreben, sind solche interdisziplinären Schmerzkonferenzen in Zukunft Pflicht.

Aus: Deggendorfer Zeitung, 15.11.2002

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Einstiges Modellprojekt wird zum Erfolgskonzept

Die Tagesgruppen im Altenheim gibt es seit zehn Jahren - Unterhaltungsangebot reicht von Basteln bis Kochen

von Norbert Peter
Freyung. Am 10. November 1992 fand die "Gründungsversammlung" der Tagesgruppe im Caritas-Altenheim St. Gunther in Freyung statt. Nun wurde Jubiläum gefeiert und alle waren sich einig, dass dieses einstige Modellprojekt zur vollen Blüte gereift ist. "Damals hat keiner gewusst, wie sich so eine Tagesgruppe realisieren lässt", blickte das Tagesgruppenteam mit Margot Pauli, Renate Fesl, Petra Krückl und Heike Vernim zurück. Klar war nur das Ziel, dass eine Einrichtung geschaffen werden soll, die es den Bewohnern des Altenheimes ermöglicht, die im Leben erworbenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten auch im "Herbst des Lebens" nicht vergessen zu lassen.
Zunächst wurde mit einer Gruppe begonnen, doch schon bald wollten mehr Heimbewohner in diese Gruppe. Es wurde ausgeweitet und nun sind drei Gruppen mit 32 Senioren "im Einsatz", betreut vom Tagesgruppenteam.
Das Angebot ist unterschiedlich und vielfältig und reicht von kreativen Arbeiten mit Stoff, Papier und Wolle, über Gymnastik, lesen, backen, kochen bis hin zu Gedächtnisübungen und Denkanstößen. Spaß miteinander haben ist nach wie vor die Devise.
Ein Einblick in den Tagesablauf: Nach dem gemeinsamen Morgengebet wird in der Tageszeitung gelesen, danach gebastelt - oder je nach Jahreszeit - Äpfel geschält und Kompott gekocht oder aus Stoff- und Wollteilen ein Bild "gemalt". Es geht aber nicht allein darum, die Heimbewohner zu unterhalten, sondern das Bedürfnis nach Gespräch und Zuwendung zu befriedigen. Auch wird das Gefühl vermittelt, "noch gebraucht zu werden".
Eine große Bereicherung ist der "Snoezelraum", der Wohlfühlraum. Durch die großzügige Spende von "Freyung hilft" im Jahre 1999 wurde die Einrichtung des Wohlfühlraumes ermöglicht. Lichteffekte regen das Sehen an, Meditationsmusik das Hören, Aromatherapie das Riechen, weiße Schokolade das Schmecken und weiche Gegenstände das Fühlen.
"In einem Haus wie dem unseren ist es eben nicht mehr getan, den Bewohnern eine warme Schlafstelle und etwas Essen zu bieten. Geistige Nahrung und seelische Zuwendung sind genauso wichtig. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, genau das zu realisieren", meinte das Tagesgruppenteam.
Heimleiter Josef Ellmaurer, der zum Jubiläum neben den Heimbewohnern und Angehörigen auch Landrat Alexander Muthmann, Ilse Bauernfeind als Leiterin des Arbeitsamtes Waldkirchen, Waltraud Wegele von der Ortscaritas, Caritas-Altenclubleiterin Ehrentraud Hammerschmidt, Diözesan-Altenreferenten Christian Schacherbauer mit Vorgänger Michael Gruber und Karin Weigerstorfer als Gönnerin willkommen hieß, betonte: "Ein Modell ist gereift."
Auch wenn die "Kinderjahre" der Tagesgruppen nicht immer leicht waren, seien letztlich Freude und Bestätigung von Seiten der Heimbewohner aufmunternde Geschenke gewesen. Ellmaurer freute sich, dass sich die Betreuungsarbeit mosaikartig in den Wohngruppen entwickelte. "Und dass immer mehr Mitarbeiter erkennen, dass dieser Bereich mehr an Bedeutung gewinnen muss, vor allem im Hinblick auf die steigende Zahl von demenzleidenden Heimbewohnern. Das ist die Herausforderung der Gegenwart und Zukunft, wollen wir Menschlichkeit nicht nur predigen, sondern im möglichen Rahmen umsetzen." Ellmaurer bemängelte, dass von staatlicher Seite durch die Pflegekasse die erforderliche Unterstützung fehle.
Landrat Alexander Muthmann übermittelte die Glückwünsche des Landkreises zum "zehnten Geburtstag" der Tagesgruppen-Einrichtung. "Im Haus wird gut miteinander umgegangen und die hohe Qualität ist anerkannt", lobte Muthmann. Auch Diözesan-Altenreferent Christian Schacherbauer freute sich über die segensreiche Arbeit in der Tagesgruppe und sagte zu, "dass in den nächsten Jahren auch baulich etwas getan wird".
Musikalisch trumpften Florian und Florian mit Melodien und Gesang auf und die Heimbewohner stimmten an: "Ein schöner Tag ward uns beschert".

Aus: Passauer Neue Presse, 15.11.02

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Altersvorsorge: Information mangelhaft

Vorstandsmitglied der Bundesversicherungsanstalt wirft den Kammern Versagen vor

Pocking (red). Die betriebliche Altersvorsorge gewinnt an Attraktivität. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können mit dem Modell gleichermaßen Geld sparen, tun es aber oft nicht. Grund dafür seien eine schlechte Informationspolitik seitens der Kammern und mangelhaft informierte Steuerberater, so Nikolaus Kaiser, Vorstandsmitglied der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Der BfA-Vorstand sprach vor rund 60 Unternehmern, Freiberuflern und Angestellten im "Pockinger Hof".
Kaiser warf den Kammern Versagen vor bei der Information der Unternehmen über Steuersparmöglichkeiten mit Hilfe der Betrieblichen Altersvorsorge.
Seit 1. Januar 2002 haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge aus Entgeltumwandlung. Zulagengefördert und aus eigenem Nettoeinkommen sollen Arbeitnehmer damit privat vorsorgen und so die Lücken schließen, die sich in der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig auftun. Für den Arbeitgeber bedeute das, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu eröffnen, Gehaltsteile bis maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West (2160 Euro jährlich) in eine betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen.
Hat ein Unternehmen beispielsweise 50 Mitarbeiter, so könne theoretisch jeder bei einem anderen Produktanbieter wie Versicherungen, Banken oder Fondsgesellschaften einen Altersvorsorgevertrag abschließen: Eine Horrorvision für alle Gehaltsbuchhalter, so Kaiser. Die Vielfalt bei den Krankenkassen habe bereits einen Vorgeschmack auf das Buchungschaos gegeben.
Um Verwaltungskosten zu sparen und gleichzeitig seinen Mitarbeitern interessante Konditionen zu bieten, müssten die Unternehmen aktiv werden und attraktive Modelle der betrieblichen Altersvorsorge aushandeln, fordert Kaiser.
Betriebliche Vorsorgepläne bieten zahlreiche Vorteile: Die Unternehmen könnten häufig wesentlich geringere Verwaltungskosten vereinbaren als bei einem Einzelvertrag. Auch fielen oft die Abschlussgebühren weg und Arbeitgeber könnten zudem Sozialabgaben sparen.
BfA-Vorstandsmitglied Kaiser rät den Unternehmen, strenge Kriterien bei der Wahl des Finanzdienstleisters anzulegen: Neben einer umfangreichen Information und Betreuung sollte die Abwicklung einfach und kostengünstig sein und zudem die eigene Personalabteilung entlasten.
Nikolaus Kaiser gehört seit 1986 dem Vorstand der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Berlin an und kam auf Einladung des Finanzforums.

Aus: Passauer Neue Presse, 15.11.02

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Fürstenzeller Firma unter Betrugsverdacht

Kunden und Mitarbeiter klagen gegen Unternehmer-Paar: Keine Ware und keine Löhne - Betrieb eingestellt?

von Karin Mertl
Fürstenzell. Die Firma Behindertenhilfe in Fürstenzell hat offenbar nicht nur Kunden getäuscht, sondern auch den Mitarbeitern übel mitgespielt. Immer mehr Betroffene haben sich in den letzten Tagen bei der PNP gemeldet und die gleiche Geschichte erzählt: Sie hätten unter dubiosen Bedingungen arbeiten müssen, dann sei ihnen gekündigt worden. Aber Geld und Arbeitspapiere hätten sie bis heute nicht erhalten. Inzwischen befassen sich mehrere Rechtsanwälte, die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit der Firma.

Artikel zu völlig überzogenen Preisen

Schon vor Monaten hat die PNP einen Bericht veröffentlicht und vor den dubiosen Machenschaften des Betriebes gewarnt. Die Mitarbeiter mussten potenzielle Kunden anrufen und ihre Waren anpreisen, hauptsächlich Büro- und Sanitärartikel, aber zu völlig überzogenen Preisen. Den Gesprächspartnern wurde weiß gemacht, dass sie mit dem Kauf die Behinderten-Arbeit unterstützen würden, denn in der Firma seien Behinderte beschäftigt.
Tatsächlich hatten die Mitarbeiter, die am Telefon saßen, aber keinen Einblick in die Produktion. "Ich habe zwar mehrfach gefordert, dass ich sehen möchte, wie da gearbeitet wird", erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter aus Passau. Dazu sei es aber nie gekommen. Für den Mitvierziger kein Wunder: "Diese Produktion hat es doch gar nicht gegeben", sagt er. Das sei eine reine Einkaufs- und Verkaufssache gewesen. Die Firma habe die Artikel irgendwo billig eingekauft, die Mitarbeiter in Fürstenzell hätten die Waren dann lediglich verpackt und verschickt.
Der Passauer fühlte sich zunehmend unwohl an seinem Arbeitsplatz, den er seit Anfang September hatte. Das Geschäftsgebahren schlug ihm auf den Magen. "Ich habe meine Arbeit psychisch nicht mehr verkraftet", erzählt er. Sein Körper rebellierte, er fing an, sich zu übergeben, wenn er an die Arbeit dachte. Am 6. November sei er das letzte Mal in der Firma gewesen, einen Tag später habe er sich krank gemeldet. Nun kämpft er um seinen Lohn. 1022 Euro netto habe er mit den Verantwortlichen ausgehandelt. Bis jetzt habe er keinen Cent bekommen.
Er ist nicht der einzige, der auf sein Geld wartet. Eine junge Frau berichtet, dass sie seit Wochen ihrem Gehalt für einen Monat nachläuft. Sie war ebenfalls auf die Firma hereingefallen. Dabei hätte sie sogar bei einem anderen Unternehmen Arbeit bekommen können. Doch sie habe damals fatalerweise den Job in Fürstenzell vorgezogen.
Schlimmer ergangen ist es einer weiteren "Kollegin": Die Frau wartet auf drei Monatsgehälter - und ihre Arbeitspapiere. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll, sagt sie, schließlich habe sie ein Kind zu versorgen.
Der Passauer hat nun einen Rechtsanwalt beauftragt, der den ausständigen Lohn des Mannes einklagen soll. Das ist die eine Sache, die andere: Der Betrieb hat laut Rechtsanwalt keine Krankenversicherung für seinen Mandanten bezahlt. Auch dieser Missstand sei kein Einzelfall gewesen.
Am Montag schließlich ist der Passauer zur Polizei gegangen und hat Anzeige wegen Betrugs erstattet. Doch die Firma ist bei Kripo und Staatsanwaltschaft längst bekannt. Dort hatten sich schon mehrere Kunden gemeldet, die bei der Firma zwar Artikel bestellt und Geld gezahlt, aber keine Waren erhalten haben, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Neuefeind. Im Visier der Justiz steht dabei ein Unternehmer-Paar, das die Firma gegründet hatte.

"Keiner soll mehr hereinfallen"

 

Ob der Mann aus Passau seinen Lohn noch bekommen wird, das stellt sich bei einer Verhandlung am Arbeitsgericht heraus. Polizei und Staatsanwalt können in diesem Fall nicht helfen. Das Geld ist für den Passauer inzwischen aber auch zweitrangig: "Ich möchte nur nicht, dass noch einmal jemand auf diesen Betrieb hereinfällt, und dafür tue ich alles." Zumindest vorerst scheint diese Gefahr gebannt zu sein. Denn wie Zeugen berichten, lässt die Firma ihr Geschäftsgebäude räumen. Und am Mittwoch, sagt der Passauer, sollen alle Mitarbeiter entlassen worden sein. Unter der Telefonnummer der Firma ging gestern keiner ans Telefon. "Ihr Gesprächspartner ist zur Zeit nicht erreichbar", hieß es.

Aus: Vilshofener Anzeiger, 15.11.02

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Jede siebte Familie hat nur ein Elternteil: Mehr Plätze für Ganztagsbetreuung nötig

Verband der Alleinerziehenden feierte zehnjähriges Bestehen

von Theresia Wildfeuer
Eine Anlauf- und Beratungsstelle, die Hilfe zur Selbsthilfe gibt und sich für Einelternfamilien stark, hat zehnten Geburtstag - und zahlreiche Vertreter aus Politik, von Ämtern, Behörden, sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen feierten mit dem Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Passau und Umgebung den runden Geburtstag. Vorsitzende Wiltrud Stark hob zunächst die politische Bedeutung des VAMV in Deutschland hervor, der heuer sein 35jähriges Bestehen feiert. Zu seinen Verdiensten zählte sie die Abschaffung der Amtsvormundschaft, das Kindergeld ab dem ersten Kind und die Gleichstellung ehelicher und nicht ehelicher Kinder. Sie kritisierte, dass Familien immer noch schlechter gestellt seien als kinderlose Paare und Singles. Ihre Forderungen: mehr Plätze zur Ganztagesbetreuung von Kindern und die Anerkennung von Ein-Eltern-Familien als gleichwertige und eigenständige Lebensform.

 


Ein-Eltern-Familien
gleichstellen

 


Dann zeigte sie Meilensteine der zehnjährigen Passauer Verbandsgeschichte auf: Acht Frauen und ein Mann hätten den Verein am 18. Dezember 1992 gegründet, Vorsitzende war Agnes Graspointner-Augustin. Schon 1993 sei es gelungen, erste Unternehmungen für Alleinerziehende anzubieten. Ab 1994 hätten Stadt und Landkreis den Verband unterstützt. Dadurch sei es möglich geworden, ein Beratungsangebot zu schaffen und erste Wochenendseminare zu veranstalten. 1995 wurde die Beratung durch Ulrike Frickinger-Fischer erweitert. Unter dem Vorsitz von Lina Stampfl (ab 1996) wurden für den Verband Räume in Kohlbruck bereit gestellt. 1999 erfolgte dann der Umzug in die Frauengasse, wo seit dem Jahr 2000 Kathrin Kaufmann eine tägliche Beratung anbietet. Unter Wiltrud Stark, die seit 2001 den VAMV führt, beteiligte sich der Ortsverband an der bundesweiten Aktion "Ich bin kein Single". Seit heuer arbeitet Anna Dinkelmann als ABM-Kraft beim VAMV und organisiert mit dem Kinderschutzbund und der Europa-Bücherei Lesenachmittage für Sechs- bis Zehnjährige. Neben zahlreichen Aktionen wie Bergwanderungen, Zeltlager und Ausflügen planen die allein Erziehenden, 2003 eine Broschüre herauszugeben, Titel: "Allein erziehend in Passau". Am Ende ihrer Rede appellierte Wiltrud Stark an die politischen Vertreter, den Bestand des VMAV weiter zu garantieren.
"Dass der Verband nötig ist", betonte stellvertretender Landrat Günther Kohl. Wie die Sozialraumanalyse des Landkreises aus dem Jahr 1998 gezeigt habe, gebe es trotz der ländlichen Struktur viele allein erziehende Mütter - mehr sogar als im Landesdurchschnitt, Tendenz weiter steigend. "Die Gemeinden sind deshalb gefordert, Betreuungsplätze bereit zu stellen", so Günther Kohl. Der stellvertretende Landrat würdigte nicht nur die ehrenamtliche Arbeit des Verbands, er sicherte ihm auch die weitere Förderung durch den Landkreis zu.
Dr. Anton Jungwirth, dritter Bürgermeister und nach eigenen Worten Begleiter des Verbands seit der ersten Stunde, erinnerte an die Anfänge vor zehn Jahren. Damals sei der Verband der Alleinerziehenden noch belächelt worden. "Doch er hat sich zu einem Traditionsverein entwickelt, dessen Verdienste unbestritten sind."

 


Politik ist
gefordert

 


In Deutschland seien derzeit 15 Prozent aller Familien Einelternfamilien. Dies seien mehr als 1,8 Millionen Elternteile mit über 2,6 Millionen Kindern unter 18 Jahren. "84 Prozent dieser Einelternhaushalte sind Mutter-Kind-Familien und 16 Prozent Vater-Kind-Familien", so Jungwirth. Ein knappes Drittel der Passauer Sozialhilfeempfänger stammten aus dieser Personengruppe. 1992 habe es unter den Sozialhilfeempfängern 25 Prozent allein Erziehende und 2001 bereits 33 Prozent allein Erziehende gegeben. "Das ist hauptsächlich auf fehlende Ganztages-Betreuungsplätze zurückzuführen", ist Jungwirth überzeugt. Es sei somit keine Frage, dass hier die Politik gefordert sei. Trotz knapper Kassen bemühe sich die Stadt, alles Wichtige zu unternehmen.
Aus: Passauer Neue Presse, 18.11.02

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Fürstenzeller Tafel für Bedürftige

Frauenbund unterstützt ärmere Gemeindebürger mit Lebensmitteln

Fürstenzell (as). Neu gewählt wurde das Führungsteam bei der Mitgliederversammlung des Frauenbunds Fürstenzell: Während Erna Fischer weiterhin die Gruppe leitet, löst die bisherige Schriftführerin Waltraud Murmann Gerda Riedl als Stellvertreterin ab. Die Schriftführerarbeit macht nun Henriette Baierl. Auch beim Schatzmeisteramt gab es einen Wechsel: Neu ist Beate Zwicklbauer, die Irmi Schellerer ablöst. Diese betreut künftig die "Fürstenzeller Tafel".
Als Beisitzerinnen wurden gewählt: Marie-Luise Ortanderl, Bärbel Stieglbauer, Hermine Silbereisen (Landfrauenvertreterin) und Emmy Stockinger (Hausfrauen). Hilde Schnabl wird sich weiter der Kranken annehmen. Die Gruppe der jungen Frauen vertreten Ursula Fischer, Brigitte Kargl und Marina Nickl.
Wie viel im vergangenen Jahr beim Frauenbund Fürstenzell los war, ließ Waltraud Murmann Revue passieren: vom Faschingsball über das Markttreiben bis hin zum traditionellen Nikolauszug.
Den Kassenbericht legte Irmi Schellerer ab. Viel gespendet wurde im vergangenen Jahr: 1000 Mark gingen an die Rumänienhilfe, 5000 Mark wurden für die Kirchenrenovierung bereitgestellt. Die Jung-Frauen-Gruppe spendete zudem 820 Euro für die Kirche aus dem Erlös ihrer Tombola.
Vorsitzende Erna Fischer bedankte sich bei den scheidenden Vorstandsmitgliedern Gerda Riedl und Gertraud Petz mit einem Blumenstrauß. Zudem erklärte sie die von Rupert Schanzer ins Leben gerufene "Fürstenzeller Tafel": Bedürftige Gemeindebürger werden mit Lebensmitteln unterstützt. "Schon aus christlicher Nächstenliebe haben wir uns entschlossen, diese Arbeit zu machen", sagt Erna Fischer und hofft, dass sich genügend Helferinnen finden, die diese arbeitsintensive Aktion auf Dauer betreuen. Vorausschauend auf 2003 sprach die Vorsitzende das 50-jährige Frauenbund-Jubiläum an.

Aus: Passauer Neue Presse, 18.11.02

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Spenden: Pockings Caritas hilft, wo immer sie kann

Ortsvereins-Vorsitzender Josef Jellbauer legte Bericht ab: Geld für verschiedene Projekte bezahlt

Pocking (red). Rückblick und Planung bis Jahresende standen auf dem Programm bei der Sitzung der Vorstandschaft des Caritas-Ortsvereins. Eingangs berichtete Vorsitzender Josef Jellbauer von den Gratulationen sowie den Ausgaben seit der letzten Sitzung. So wurde ein Computerprogramm zur Einziehung der Mitgliedsbeiträge angeschafft. Für die Firmlinge der St.-Ulrich-Schule, denen Bischof Wilhelm Schraml die heilige Firmung spendete, übernahm der Caritas-Ortsverein die Kosten für die Firmandenken. Eine Spende von 800 Euro ging an das Caritas-Heim St. Ulrich zur Unterstützung einzelner Jugendlicher und Kinder bei Urlaubsmaßnahmen. Einem Aufruf des Caritasverbandes für die Diözese Passau, den Hochwasseropfern zu helfen, wurde entsprochen: Der Caritas-Ortsverein überwies eine Spende von 1000 Euro für die Geschädigten. Für eine hilfsbedürftige Person, die vom Betreuungsverein des Caritasverbandes für den Landkreis Passau betreut wird, wurden 150 Euro aus Pocking gespendet.
Auch beim Seniorentag in der Stadthalle in Pocking war der Caritas-Ortsverein aktiv und beteiligte sich mit Kuchenspenden. Zu einem Dankessen wurden die Caritas-Sammler, Pfarrbriefausträger und die Helfer der Seniorengemeinschaft ins Pfarrzentrum eingeladen.
Bei der Herbstsammlung wurde eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Der Anteil für den Caritas-Ortsverein aus der Sammlung beträgt 1883 Euro. Der Vorsitzende dankte den Sammlern und den Spendern.
Eine wichtige Einnahmequelle ist der jährliche Wohlfahrtsmarken-Verkauf. Auch dieses Jahr zeichnet sich wieder ein gutes Ergebnis ab. Durch das Finanzamt erfolgte die Überprüfung der Geschäftsführung für die Jahre 1999 bis 2001. Der Freistellungsbescheid zur Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer wurde inzwischen erteilt.
Der Besuchsdienst vor Weihnachten im Krankenhaus Rotthalmünster und in den umliegenden Seniorenheimen wird von Hildegard Wittmann organisiert. Dabei werden kleine Geschenke überbracht. Für die älteren Pfarrangehörigen wird in der Stadthalle wieder ein adventlicher Gottesdienst gefeiert. Die Kosten für die anschließende Bewirtung mit Kaffee und Kuchen übernimmt der Caritas-Ortsverein.
Unterstützung vom Verein erhält auch die Auslandshilfe des Caritasverbandes für die Diözese. Als Weihnachtsspende für Hilfsbedürftige und Notleidende werden 500 Euro zur Weiterleitung an die Caritas in Satu Mare (Rumänien) überwiesen. Eine weitere Spende von 500 Euro ist bestimmt für das Caritas-Sozialzentrum in Saniob (Rumänien), das sich im Aufbau befindet. Auch die Kindergärten in Pocking können sich über 1000 Euro freuen.
Mit einem Dank für die Mitarbeit im Sinne der Caritas schloss der Vorsitzende die Sitzung.

Aus: Passauer Neue Presse, 18.11.02

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Pflege zu Hause - dabei hilft das Altenheim

Die Einrichtung St. Elisabeth in bietet Tagespflege, damit die Familie Zeit für sich oder dringende Besorgungen hat

Bad Griesbach (bb). Alte und kranke Menschen zu Hause pflegen: Wenn die familiäre Fürsorge zum 24-Stunden-Job wird, übersteigt das oft die Kräfte der Pflegenden. Als Entlastung bietet das Altenheim St. Elisabeth Tagespflege an. "Wenn die Gäste tagsüber bei uns sind, haben die Angehörigen Zeit für sich", betont Geschäftsführer Alfons Mailhammer. Tagespflege heißt, die Gäste werden morgens gebracht oder auch vom Altenheimpersonal abgeholt. Sie verbringen einen Tag im Kreis der Heimgemeinschaft, nehmen je nach individuellen Fähigkeiten an den Aktivitäten teil, können dort essen und schlafen. Wie zu Hause werden sie auch hier betreut. Und abends werden sie dann wieder abgeholt oder heimgebracht.
"Zielgruppe der Tagespflege sind Menschen mit einem hohen Betreuungsaufwand, das heißt Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können", erklärt die Stationsleiterin Anita Lippl. Bis zu zehn Frauen und Männer kommen regelmäßig ins Altenheim und nehmen die Tagespflege in Anspruch. "Manche kommen jeden Tag, andere nur einmal in der Woche oder einmal im Monat", erklärt die Stationsleiterin. Auch halbtags könne das Angebot genutzt werden.
"Die Menschen sollen nicht das Gefühl haben, abgeschoben zu werden. Das Hauptumfeld und die Bezugspersonen bleiben in der Familie", erzählt Geschäftsführer Alfons Mailhammer aus Erfahrung. "Die Tagespflege kann eine Vorstufe zum Heimleben sein, muss aber nicht." Der große Vorteil liege darin, dass Angehörige entlastet werden. Es bleibt Zeit für Besorgungen und Ausflüge, die nicht möglich sind, wenn die Pflegebedürftigen bettlägerig sind.
Diese Erfahrung hat auch Martin Benzer gemacht. Seine Mutter ist in Pflegestufe zwei eingeordnet und muss rund um die Uhr versorgt werden. "Das ist für uns auch selbstverständlich, aber diese Aufgabe ist uns einfach zu viel geworden, die Demenzerkrankung hat uns überfordert", erzählt der Bayerbacher. Nach Informationsaustausch in einer Selbsthilfegruppe habe er vor drei Monaten von der Tagespflege im Altenheim St. Elisabeth erfahren. Diese Lösung sei optimal für seine Familie: "Wir werden dadurch sehr entlastet. Es bleibt wieder mehr Zeit für uns und für unsere kleine Tochter." Den Sonntag verbringt seine Mutter zu Hause im Kreis der Familie. Ansonsten könne er sich auch kurzfristig für Tagespflege entscheiden. "Hier fühlt sie sich wohl", lobt Benzer die Einrichtung.
Bei der Tagespflege werden die Gäste voll ins Geschehen eingebunden. "Je nach Neigungen und Gesundheitszustand können sie an allen Angeboten teilnehmen", erklärt Mailhammer und zählt verschiedene Aktivitäten auf: Gottesdienste, Feste feiern, basteln, spielen, spazieren gehen, Geschichten hören und mehr. Als besonderer Service vom Altenheim werden den pflegenden Familien auch einige Aufgaben abgenommen. So werden die Gäste zum Beispiel auch gebadet oder können ihre Krankengymnastik dort abhalten. Natürlich werden sie auch verpflegt.
Die Tagespflege ist eine Dienstleistung des Altenheims, aber auch eine Leistung der Pflegeversicherung, die die Sätze für die Pflegestufen übernimmt: Stufe eins 29,19 Euro, Stufe zwei 44,18 Euro und Stufe drei 59,16 Euro pro Tag. Für elf Euro werden die Tagesgäste morgens abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht.

Aus: Passauer Neue Presse, 19.11.02

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Vortrag: Wenn das Herz aus dem Takt ist

Krankenhaus-Ärzte erläutern die Risiken von Herzrhythmusstörungen

Rotthalmünster (leb). Im Rahmen der deutschen Herzwochen konnte Chefarzt Dr. Franz Gniffke zahlreiche Besucher zu einem Vortragsabend zum Thema "Gefährliche und ungefährliche Rhythmusstörungen" im Krankenhaus begrüßen. Dr. Gniffke gab einleitend anhand einer Computeranimation einen Einblick in die Funktionsweise des Herzens. Oberarzt Dr. Baum, dem vor kurzem von der Bayerischen Landesärztekammer die Zusatzbezeichnung "Kardiologe" verliehen wurde, ging anschließend auf die Bedeutung und die Risiken des Vorhofflimmerns und des letztlich unmittelbar lebensbedrohlichen Kammerflimmerns ein. Zudem berichtete er über die neuesten Studienergebnisse und Therapieverfahren. Neben der medikamentösen Therapie stellte Dr. Baum dabei auch die Elektrotherapie, also den Einsatz eines Defibrillators, vor und demonstrierte zur Veranschaulichung das auch in der Laienreanimation mit großem Erfolg eingesetzte Gerät.
Störungen des Herzens mit zu langsamem Pulsschlag waren Thema des Vortrags von Oberarzt Dr. Siegfried Bertl. Besonderes Augenmerk solle nach seinen Ausführungen auf die zugrunde liegende Erkrankung eines Patienten gelegt werden. Auch Medikamente und hormonelle Störungen könnten die Ursache hiefür sein. Wie Dr. Bertl weiter ausführte, kann unter Umständen die Implantation eines Herzschrittmachers angezeigt sein. Unter Demonstration von Originalgeräten wies Dr. Bertl auf die notwendigen Kontrollen hin, um mögliche Störungen durch zu starke elektromagnetische Felder erkennen zu können.
Am Ende der interessanten Vortragsveranstaltung dankte Chefarzt Dr. Franz Gniffke dem Vorsitzenden des Krankenhaus-Fördervereins, Altbürgermeister Josef Schimpfhauser, für die Unterstützung sowie der Schulleitung der Krankenpflegeschule, Elvira Mader, für die Überlassung der Räumlichkeiten.

Aus: Passauer Neue Presse, 19.11.02

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Schwangerenberatung jetzt auch übers Internet

Freyung (red). www.schwanger-im-landkreis-frg.de: Die Schwangerenberatungsstelle des Landratsamtes Freyung-Grafenau verfügt seit kurzem über eine eigene Homepage und zählt so zu den ersten Beratungsstellen Bayerns, die ihre Informationen auch online anbietet.
Verantwortlich für die "Internet-Offensive" ist die Schwangerenberatungsstelle in Landshut. Von den dortigen Mitarbeitern wurde das Konzept erstellt, die Freyunger Berater beteiligen sich am Projekt "schwanger-in-bayern-de." "Unsere Aufgabe war, die dazugehörigen regionalen Adressen zu erfassen", sagt Brigitte Killinger, die zusammen mit Irene Nowotzin sich um die Schwangeren im Landkreis Freyung-Grafenau kümmert.
Ziel der Homepage - sie umfasst eine umfangreiche Informations- und Adressensammlung - ist es, sowohl Schwangeren als auch jungen Familien und Alleinerziehenden Überblick über die Vielfalt von Angeboten und Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten. "Aber auch Sachbearbeitern von Behörden und uns Beraterinnen erleichtert sie die Suche, wenn spezielle Auskünfte gewünscht werden", erklärt Irene Nowotzin.
Was steht drin? "Es werden die Aufgaben der Schwangerenberatungsstelle vorgestellt und auf Veränderungen oder aktuelle Veranstaltungen hingewiesen. Der Adressenteil ist gegliedert in die Bereiche Schwangerschaft und Geburt, Gesundheit, Spiel- und Freiräume, Finanzielle Leistungen, Familie und Erwerbstätigkeit und Erzieherische Fragen", so Killinger.
Konkretes Beispiel: Eine ledige Mutter interessiert sich für die Regelung der Vaterschaftsanerkennung. Auf der Homepage findet sie unter dem Begriff "Schwangerschaft und Geburt" den Begriff "Vaterschaftsfeststellung" und somit die nötigen Informationen über freiwillige Anerkennung oder gerichtliches Verfahren und Beistandschaft sowie die jeweiligen Sachbearbeiter des Jugendamtes. "Bei den finanziellen Leistungen kann man über Bundes- und Landeserziehungsgeld, Landesstiftung ,Hilfe für Mutter und Kind', Unterhaltsanspruch und vieles mehr nachlesen", erläutert Nowotzin.
Was gab den Ausschlag, dass man sich für eine online-Broschüre einsetzte? "Das Internet wird für die Suche von Informationen immer gebräuchlicher. Außerdem ist es leichter auf dem aktuellen Stand zu sein, als bei einer gedruckten Broschüre, da die Neuerungen jederzeit eingegeben werden können", antwortet Killinger. Sie erwähnt auch noch Sabine Fürst, die diese Aufgabe übernimmt und die Adressen fachgemäß eingibt, und die EDV-Abteilung des Landratsamtes für die tatkräftige Unterstützung.
Neben der Homepage für den Landkreis, in denen man die regionalen Adressen und Informationen bekommt, sind auf der Seite
www.schwanger-in-bayern.de die umfassenden allgemeinen Hinweise ersichtlich. Unter der Spalte regionale Informationen kann aber auch von hier aus die jeweilige regionale Adresse in Erfahrung gebracht werden.
Die Beraterinnen der Schwangerenberatungsstelle stehen aber natürlich nach wie vor bei Fragen und Problemen persönlich zur Verfügung. Sie sind montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr in der Bahnhofstraße 10 in Freyung erreichbar: Telefonnummer: 08551/9637-0. Außerdem werden Sprechtage angeboten - im Rathaus Grafenau jeden Donnerstag von 8 bis 11 Uhr und im Rathaus Waldkirchen jeden Dienstag von 9 bis 11.30 Uhr.

Aus: Passauer Neue Presse, Freyung, 25.11.02

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Drogensucht allgegenwärtig Experten informieren

Beim Info-Abend berichtet auch eine Ex-Abhängige

Bernried (dz). Das Bild von der heilen ländlichen Welt, weit weg von den Gefahren der Großstädte, gibt es nicht mehr. Zum Beispiel haben sich auch in den Gemeinden des Landkreises längst Sucht- und Drogenprobleme breit gemacht: Viele Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene sind mehr oder weniger abhängig von den legalen Drogen, wie Nikotin und Alkohol, sowie von Haschisch über Ecstasy bis Heroin, auch zivilisatorischen Auswüchse, wie Mager- oder Spielsucht, sind bekannt.
Der Arbeitskreis Jugend der lokalen Agenda 21 in Bernried (AKJ) veranstaltet deshalb am kommenden Mittwoch, 4. Dezember, um 19 Uhr in der Aula der Grundschule Edenstetten einen Aufklärungs- und Informationsabend zum Thema "Suchtgefahren im Alltag - Schokolade, Disko, Drogen - der Dampf im Kessel muss raus!". Der Infoabend richtet sich an Bernrieder Kinder, Jugendliche, Heranwachsende, junge Erwachsene und deren Eltern. Eingeladen sind auch Drogenabhängige und deren Angehörige, die Lösungen für den Ausstieg suchen.
Referenten des Abends sind Dr. Wolf Dietrich Nickol, Allgemeinmediziner in Bernried und Experte für Drogenersatzprogramme, Dr. Roland Ebner, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Familientherapeut sowie Leiter der Drogenstation für junge Menschen im Bezirkskrankenhaus Mainkofen, und Doris Koskowski aus Eggenfelden. Sie bezeichnet sich selbst als "langjährig cleane Abhängige" und berichtetet unter anderem über ihren Lebensweg durch Sucht und Drogen. Die Frau, die mit 13 Jahren begann, Haschisch und LSD zu konsumieren, und mit 15 Jahren Heroin und Morphium einnahm, ist heute im Drogenpräventionsbereich und in der Jugendarbeit tätig. Ihr Motto lautet: "Für mich bist Du erst dann ein hoffnungsloser Fall, wenn ich an Deinem Grab stehe."
Weitere Betroffene und Experten, wie eine Deggendorfer Gruppe von Eltern und Angehörigen Drogenabhängiger sowie Vertreter von Suchtberatungsstellen, stehen an diesem Abend ebenfalls für Auskünfte und persönliche Fragen zur Verfügung.
AKJ-Mitglied Roman Hensler (19) führt in den Abend ein, die Moderation hat Peter Dermühl.

Aus: Deggendorfer Zeitung, 27.11.02

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Alleinerziehende fordern mehr Ganztagesplätze

Passau (tw) Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Passau und Umgebung hat mit zahlreichen Prominenten aus Gesellschaft und Politik sein zehnjähriges Bestehen gefeiert.
Vorsitzende Wiltrud Stark kritisierte dabei, dass Familien immer noch schlechter gestellt seien als kinderlose Paare und Singles. Ihre Forderungen: mehr Plätze zur Ganztagesbetreuung von Kindern und die Anerkennung von Ein-Eltern-Familien als gleichwertige und eigenständige Lebensform.
Ab 1994 hätten Stadt und Landkreis Passau den Verband unterstützt, der auch zahlreiche Mitglieder im Landkreis Freyung-Grafenau hat. Dadurch sei es möglich geworden, ein Beratungsangebot zu schaffen und Wochenendseminare zu veranstalten. Seit heuer arbeitet Anna Dinkelmann als ABM-Kraft beim VAMV und organisiert mit dem Kinderschutzbund und der Europa-Bücherei Lesenachmittage für Sechs- bis Zehnjährige. Neben zahlreichen Aktionen wie Bergwanderungen, Zeltlager und Ausflügen planen die allein Erziehenden, 2003 eine Broschüre herauszugeben, Titel: "Allein erziehend in Passau".

Aus: Passauer Neue Presse, Waldkirchen, 27.11.02

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Jugendarbeit: Plattling hat Vorreiterrolle

Gerhard Apfelbeck hatte zum Erfahrungsaustausch geladen - Keine Nachwuchssorgen bei den Vereinen

Plattling (re). Für die Jugend in Plattling wird einiges getan - aber in den Vereinen ist es schwer, neue Verantwortliche für diese Aufgaben zu finden. Darüber haben sich am Dienstagabend die Jugendleiter unterhalten, die der Jugendbeauftragte der Stadt Plattling, Gerhard Apfelbeck, zu einem Erfahrungsaustausch in den Bischofshof eingeladen hatte. Etwa 30 Jugendleiter, Jugendbeauftragte beziehungsweise Vereinsvertreter waren der Einladung gefolgt. Mit dabei waren auch Bürgermeister Erich Schmid, Stadtmanager Josef Grimm, die Leiterin des Jugendtreffs, Brigitte Handlos, und Martin Hohenberger vom Kreisjugendring (KJR).
Bürgermeister Schmid stellte die Jugendarbeit der Stadt vor. Er erklärte, dass Plattling dabei eine Vorreiterrolle inne habe, da die wenigsten Städte einen Jugendbeauftragten hätten. Die Stadt unterstütze die Jugendarbeit insbesondere auf finanzielle Weise. So werden jährlich rund 60 000 Euro für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt. Den Großteil dieses Geldes erhält der Kreisjugendring. Des weiteren unterstütze die Stadt Aktionen wie "Ferien mit Pfiff" und "Ferienspaß". Auch die Kinderspielplätze könnten sich sehen lassen. Unterstützt würde ebenso die städtische Musikschule und der Fanfarenzug.
Schmid wies darauf hin, dass die Interessen der Jugendlichen besonders schnellen Trends unterlägen, denen man folgen müsse, um den Kontakt zu den Jugendlichen nicht zu verlieren. Deshalb sei von den Jugendleitern ein besonderes Maß an Sensibilität gefragt.
Martin Hohenberger, verantwortlich für die kommunale Jugendarbeit des Kreisjugendrings Deggendorf, stellte die Arbeit des Kreisjugendrings vor. Dabei wies er darauf hin, dass man für Aktionen beispielsweise eine Hüpfburg oder das Spielmobil ausleihen könnte. Diese müssten jedoch frühzeitig gebucht werden. Außerdem biete der KJR Ausbildungsmaßnahmen für Betreuer und Jugendleiter an.
Bei der Vorstellung der anwesenden Jugendleiter der Plattlinger Vereine und Organisationen zeichnete sich ab, dass mit wenigen Ausnahmen kaum ein Verein über mangelnden Nachwuchs klagt. Vielmehr hätten die Vereine Probleme, Jugendleiter zu bekommen. Meist möchte sich keiner diese verantwortungsvolle Aufgabe aufbürden, da es viel Arbeit und Mühe erfordert, den Jugendlichen gerecht zu werden. Auch an Ausbildungsmaßnahmen für Betreuer und Jugendleiter fehle es beizeiten. Bürgermeister Schmid bedauerte, dass sich nur wenige bereit erklären würden, ein derartiges Amt zu übernehmen.
Stadtmanager Josef Grimm lobte die Arbeit der Vereine und deren Arbeit für die Jugend. Insbesondere in Vereinen könne man auf die speziellen Interessen der Jugendlichen eingehen. Dennoch sei auch die Stadt nicht untätig in der Jugendarbeit, dies zeigten Initiativen wie das Angebot von verbilligten Fahrten nach Straubing ins Hallenbad Aquatherm für drei Euro pro Fahrt mit Eintritt (Kinder, Jugendliche, Studenten, Rentner) beziehungsweise 4,50 Euro für Erwachsene oder nach Deggendorf ins Eisstadion für zwei Euro für Kinder, Jugendliche und Studenten. Hingewiesen wurde außerdem auf die Christmas-Party am 20. Dezember in der TSV-Turnhalle für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren (Beginn 19 Uhr, Ende 22 Uhr, Eintritt: 2,50 Euro).
Jugendtreff-Leiterin Brigitte Handlos informierte über ihre Arbeit. Dabei kämen in den Jugendtreff etwa 40, meist elf- bis 15-jährige Jugendliche aus den verschiedensten Kulturkreisen.
Gerhard Apfelbeck stellte neue Ideen für die städtische Jugendarbeit vor. So überprüfe man den Bedarf eines Discobusses, der in anderen Städten mit großem Erfolg eingesetzt werde. Ein Discobus würde auch das Parkplatzproblem entschärfen. Es hätten bereits Gespräche mit Deggendorfs Oberbürgermeisterin Anna Eder stattgefunden, wobei man über eine Vernetzung beider Systeme des Öffentlichen Personennahverkehrs nachdenkt und am Freitag- und Samstagabend zusätzliche "Mondscheinfahrten" anbieten möchte.
Um die Motivation für die Jugendleiter zu verbessern und deren Arbeit zu ehren, war eine weitere Idee die Einführung eines Ehrenabends für die Jugendleiter. Dabei sollten sich die Jugendleiter untereinander kennen lernen und Erfahrungen austauschen.
Die Idee eines Jugendparlamentes wurde ebenfalls diskutiert. Allerdings fürchte man, dass die Umsetzung dieser Idee nicht effektiv genug sei, wie Beispiele aus anderen Städten zeigten.

Aus: Plattlinger Zeitung, 28.11.02

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Was geht ab?: Jugendliche feilen an sich selbst

Projekttag am Gymnasium - 90 Jugendliche in Arbeitsgruppen zu Meditation, Okkultismus, Konflikten und Drogen

Vilshofen (eb). Meditation/Zur Ruhe finden, Drogen und meine Erfahrungen sowie Konflikte - das waren Themen auf einem Projekttag unter dem Motto "Was geht ab?", den das Kirchliche Jugendbüro bereits zum dritten Mal für die 11. Klassen des Gymnasiums Vilshofen organisiert hatte. Zur Einstimmung wurde in einem Kabarettstück die problematische Biographie eines Jugendlichen dargestellt. Die Schauspieler führten eindringlich bewegende Szenen aus dem Leben eines Jugendlichen den Schülern vor Augen: von der drohenden Arbeitslosigkeit bis hin zu Aggressivität gegenüber Ausländern.
Anschließend konnte sich jeder der 90 Jugendlichen für eine Arbeitsgruppe entscheiden. Zum Thema "Öde Freizeit - Fun mit Sinn" machte sich Anton Brunner von der Theatergruppe zusammen mit den Jugendlichen Gedanken. Das Verhalten in der unterrichtsfreien Zeit wurde unter die Lupe genommen und erörtert. Dabei ging es auch darum, wie Freizeit sinnvoll gestaltet und dabei Verantwortung für andere übernommen werden könne. Dies wurde auch im Plenum durch einen "Vertrauenssprung" verdeutlicht (Bild).
Eine weitere Gruppe wählte das Thema "Drogen". Der Referentin Doris Koskowski, früher selber einmal drogenabhängig und mittlerweile seit mehr als 20 Jahren geheilt, gelang es, die über 30 Interessierten durch ihre Schilderungen von der Gefährlichkeit der Drogen zu überzeugen. "Einmal süchtig, immer süchtig", so ihre eindringliche Warnung an die jungen Zuhörer.
Franz Lindinger, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kirchlichen Jugendbüro Pfarrkirchen und mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in der Jugendarbeit, gestaltete einen Workshop zum Thema "Konflikte". Der Jugendarbeiter ging diskret mit dem Thema um und zeigte Lösungswege in einem Konflikt auf.
In einer weiteren Gruppe beleuchtete Patrizia Kalhuber, ebenfalls Mitarbeiterin im Kirchlichen Jugendbüro Pfarrkichen, das Thema "Okkultismus". Sie machte Hintergründe deutlich und entzauberte manche gängigen Klischees.
In der Gruppe um Vilshofens Jugendreferenten Alfred Hüttinger ging es schließlich um "Meditation" und wie man in einer immer hektischeren und lauteren Welt Momente der Stille und Entspannung erleben kann. Zusammen mit einer Vorpraktikantin des Jugendbüros wurde für knapp zwei Stunden eine Auszeit vom Schulalltag genommen.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden schließlich allen Elftklässlern präsentiert, wo auch stellvertretender Direktor Ulrich Wagner interessiert den Schülerberichten folgte.

Aus: Vilshofener Anzeiger, 28.11.02

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Gesprächskreis hilft verzweifelten Eltern

Mütter, die ein Kind bei einem Verkehrsunfall verloren haben, leiden ihr Leben lang und stoßen auf taube Ohren

Eggenfelden (rw). Mit seinem Roller will der 16-jährige Daniel von einer Gemeindestraße kommend die Bundesstraße 388 überqueren. Er sieht ein Auto, hält an. Dann der fatale Moment: Er bemerkt ein zweites Auto dahinter offenbar nicht, fährt los und wird von dem Wagen erfasst. Wenig später stirbt er im Krankenhaus. Genau zwei Jahre ist dieser Unfall her, der das Leben der 41-jährigen Linda P. (Name geändert) aus dem westlichen Landkreis brutal verändert hat. Im Krankenhaus erfahren die Eltern die schreckliche Wahrheit. Eine Welt bricht für sie zusammen. Jetzt kommen der Frau noch die Tränen, wenn sie von ihrem Sohn zu sprechen beginnt: "Ein Arzt hat mich bei der Hand genommen und gesagt, ich soll ihm von unserem Sohn erzählen". Linda P. und ihr Mann ziehen das Tuch zurück, wollen ihr geliebtes Kind noch einmal sehen und von ihm Abschied nehmen. Heute ist Linda P. erleichtert darüber, dass sie das getan und sich dabei über "gut gemeinte Ratschläge" hinweggesetzt haben.
Die anderen Frauen der Runde nicken zustimmend, wenn sie sagt: "Was man geliebt hat, das kann man nicht einfach so weggeben." Einmal im Monat treffen sich Mütter, die ihre Kinder verloren haben, zum Gespräch im Eggenfeldener Pfarrheim. Alle haben sie eine Erfahrung gemacht: "Die Leute wollen unseren Schmerz nicht hören. Dabei brauchen wir jemanden, der zuhören kann".
Die 46-jährige Eggenfeldenerin Martha A. (Name ebenfalls geändert) ist heute nicht nur niedergeschlagen wegen des Verlusts ihres 22-jährigen Sohnes Markus, sondern auch traurig darüber, dass sie und ihr Mann sich haben abwimmeln lassen, als Markus vor sechs Jahren bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Hebertsfelden sein Leben verlor. "Ich wollte gleich zum Unfallort. Doch die Polizei sagte mir, es gebe nichts mehr zu ´sehen´. Später erfuhren wir, dass unser Bub noch Stunden am Straßenrand lag. Alle haben uns dann davon abgeredet, unser totes Kind noch einmal anzuschauen. Und uns fehlte da einfach die Kraft, uns durchzusetzen."
Dabei sind sich heute alle vom Schicksal Getroffenen einig: "Man tut den Angehörigen nichts Gutes, wenn man glaubt, ihnen den Anblick ersparen zu müssen. Was man lieb gehabt hat, kann gar nicht so entstellt sein, dass man das nicht ertragen könnte. Selbst wenn kein Gesicht mehr zu erkennen wäre, könnte man noch eine Hand halten. Tut man das nicht, reut es einen zeit Lebens."
"Ich hab ein halbes Jahr nicht mehr gekocht und geputzt, mir war das alles einfach egal", erinnert sich die 52-jährige Katrin C. (Name ebenfalls geändert) aus der Gemeinde Hebertsfelden , die vor acht Jahren ihren damals 19-jährigen Sohn Stefan verloren hat. Stefan war ihr einziges Kind. Katrin C. und ihr Mann haben den Boden unter den Füßen verloren. Sie sehen ihr Leben als sinnlos an. Besonders bedrückt Katrin C., wie mit ihrem gestorbenen Kind verfahren wurde. "Da kommt ein Plastiksack und mit dem wird der Tote dann lieblos in einen Stahlsarg gesteckt."
Unbegreiflich ist es für die Eltern, wenn Kinder nach einem Unfall nicht ins Krankenhaus, sondern sofort ins Leichenhaus gebracht werden. "Da kommen jahrelange Zweifel auf, ob ihr Kind nicht doch noch gelebt hat", gibt Sieglinde Kaltenecker zu verstehen. Die 66-jährige Eggenfeldenerin vermisst die Pietät gegenüber dem Verunglückten und dessen Angehörigen. Vor zehn Jahren hat sie selbst ihren damals elfjährigen Sohn Florian bei einem Unfall verloren. "Ich empfand es als besonders schlimm, dass mir die Leute aus dem Weg gegangen sind. Keiner wollte mir zuhören. Erst später habe ich begriffen, dass der Grund dafür Hemmungen sind. Die Leute können mit dem Leid der Mütter nicht umgehen. Die Eltern gehen nicht nur wegen des Verlusts ihres Kindes durch die Hölle, sondern müssen auch noch die Tatsache verdauen, dass sie von der Umwelt geschnitten werden", bedauert Kaltenecker.
Dagegen wollte sie etwas tun. Zwei Jahre nach dem Unfall ihres Kindes gründete Sieglinde Kaltenecker mit Unterstützung des Eggenfeldener Frauenbundes die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern". Seither trifft sich diese jeden Monat. Sieglinde Kaltenecker hat Seminare für Trauerbegleitung besucht, betreut die Gruppe ehrenamtlich. 21 Frauen gehören der Gruppe an. Nicht ein Mann ist dabei. Das hat nicht den Grund darin, das Männer weniger trauern würden, betont Kaltenecker. "Sie gehen nur anders damit um , wollen nicht darüber reden."
Dieses darüber Reden im Kreis von anderen, die selbst vom Schicksal getroffen worden sind und deshalb Verständnis für die Sorgen und Nöte der trauernden Mütter haben, das erscheint den Teilnehmerinnen selbst als wichtigste Aufgabe ihres Gesprächskreises. Das Leid in Worte fassen, auf diese Weise haben sich die meisten von ihnen kennen gelernt. Christa C. zum Beispiel hat nicht nur ihre Gedanken an ihren Sohn in einem Tagebuch zu Papier gebracht, sondern auch anderen verwaisten Müttern spontan Briefe geschrieben, um ihnen damit Hilfe zu geben.
Sieglinde Kaltenecker steht zudem mit Frauen in Briefkontakt, die an der Landkreisgrenze und darüber hinaus wohnen und deshalb nicht zu den regelmäßigen Treffen kommen. "Wenn ich Kontakt zu einer Familie aufnehme, die ihr Kind verloren hat, habe ich immer auch Herzklopfen. Ich weiß nicht, welche Reaktion mich erwartet, und ich bin als selbst Betroffene natürlich auch sehr verletzbar", erläutert sie.
Übereinstimmend berichten die Mütter auch davon, dass sie kaum Erinnerungen an die Beerdigung haben. "Ich weiß fast nichts mehr, ich glaube nicht, dass ich geweint habe", sagt etwa Linda P. . Wie in Trance haben sie diese Tage erlebt, der Schmerz zu groß, als dass er sich schon hätte Bahn brechen können. Das große Weinen kommt erst später.
Und dann kommt auch die Zeit, in der sich die Eltern immer wieder Selbstvorwürfe machen und minutiös Details des Unfalls rekonstruieren. Martha A. zum Beispiel ist die Unfallstrecke wiederholt nachgefahren, um am Ende herauszufinden, dass der Unfall vier Minuten eher gewesen sein muss, als von der Polizei im Protokoll festgehalten. Fakten, die nichts bringen, die keinen Toten mehr lebendig machen können und die für die Mütter doch so wichtig sind, um das Schreckliche zu verarbeiten.
Empfindlich reagieren sie deshalb auf vorschnelle Urteile. Martha A. kann es bis heute nicht verwinden, dass bei ihrem Sohn von Alkohol und Drogen die Rede war, obwohl die Blutentnahme dann zeigte, dass nichts davon stimmte.
Eine weitere Betroffene, die 55-jährige Heidi S. (Name geändert) aus dem Großraum Falkenberg, beklagt, dass beim Unfall ihres Sohnes ein zweiter Notarzt nicht angefordert worden sei. Vielleicht erkannte die Notärztin, die einen weiteren Beteiligten versorgte, dass ihr Sohn bereits tot und ihm nicht mehr zu helfen war. Es könnte aber auch anderes gewesen sein. An dieses "Könnte" klammern sich die Mütter, verwenden tausende Gedanken darauf, was wie anders hätte laufen können und kommen doch nicht aus der finalen Schlussfolgerung heraus: Es nützt alles nichts, mein Kind ist tot.
Mütter, aber auch Väter, die ein Kind verloren haben und Hilfe suchen, werden in der Selbsthilfegruppe gerne aufgenommen. Treffpunkt ist jeden zweiten Samstag im Monat ab 14 Uhr im Pfarrheim. Näheres bei Sieglinde Kaltenecker unter Tel. 0 87 21/66 16 oder im Eggenfeldener Pfarramt, Tel.08721/1812.

Aus: Passauer Neue Presse, Pfarrkirchen, 28.11.02

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